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Liebe auf Zeit

Antu und Racine haben sich in ihrer Heimatstadt Bremen kennengelernt. Er kurz vor einem neuen Surflehrer-Job in Frankreich. Sie kurz vor einer halbjährigen Reise durch Costa Rica. Das Timing hätte nicht schlechter sein können…

FOTOS: JCS

Muskulöse Körper, von der Sonne gebleichte Haare, braungebrannte Haut: Wenn man sich ein Surfer-Paar vorstellen müsste, würden Racine und Antu direkt vor dem inneren Auge erscheinen. Sie sind wie Marianne und Michael der Surfer-Szene. Und auch die inneren Werte stimmen überein. Beide vermitteln gerne positive Energie, sie lieben das Surfen, das Reisen, das Klettern auf Häuser und das Wild-Campen. Es passt so gut, dass man daran festhalten möchte. Das einzige Manko: Sie schaffen es seit einem Jahr nicht länger als zwei Wochen am Stück zusammen in der gleichen Stadt zu sein. Racine ist 19 Jahre alt, Antu ist 21. Sie sind weit davon entfernt, sich setteln zu wollen. Sie haben gerade ihr Abitur in der Tasche, sie wollen die Welt entdecken, Abenteuer erleben und dann ein Studium beginnen. Ist es möglich, in dieser Phase einen gemeinsamen Weg zu finden, auf dem keiner von beiden seine Träume aufgeben muss? Racine und Antu fühlen sich und glauben an ihre Verbindung zueinander. Sie sind aber auch realistisch genug, um sich einzugestehen, dass aus einer Trennung auf Zeit schnell eine Liebe auf Zeit werden kann.

Wir haben die beiden in Lissabon getroffen, auf ihrer ersten gemeinsamen Reise.

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Racine: Das war vor einem Jahr ungefähr, im Sommer in Bremen, und es war sehr warm und sehr schön und wir waren bei einer Outdoor-Party auf der Landzunge in der Weser und haben getanzt. Und dann meinte meine beste Freundin irgendwann: „Ey Racine, Ich glaub, da ist ein Typ für dich. Den findest du bestimmt gut.“ Ich so: „Ja okay, zeig mal“. Und sie zeigte auf Antu. Und er war da auch gerade megabraun und hatte lange Haare.
Antu: Ich bin gerade von den ganzen Reisen zurückgekommen und hatte lange blonde Haare, weil ich halt die ganze Zeit surfen war.
Racine: Ja und dann haben wir geschnackt und da Bremen ein Dorf ist, haben wir schnell festgestellt, dass wir gemeinsame Freunde haben. Und wir haben uns direkt gut verstanden. Oder?
Antu: [lacht] Ja, ziemlich gut. Wir hatten dann auch für ungefähr zwei Wochen was am Laufen.
Racine: Direkt an dem Abend hat es angefangen.
Antu: Ja, ziemlich schnell. Und nach den zwei Wochen bin ich nach Frankreich gegangen.
Racine: Und ich bin nach Costa Rica gegangen für ein halbes Jahr. Aber in diesen zwei Wochen haben wir uns sehr oft gesehen.
Antu: War dann echt schade, dass wir uns direkt wieder trennen mussten. Aber wir haben nie überlegt, doch hier zu bleiben. Es war ja schon von Anfang an klar, dass wir nur eine kurze Zeit zusammen haben und die haben wir dann trotzdem genossen und dachten: Wenn es so sein soll, dann treffen wir uns irgendwann wieder. Und ein Jahr später ist Racine auf einmal in eine Bar in Bremen reingeschneit, in der ich inzwischen gearbeitet habe.
Racine: Das war so komisch. Ich bin im Dezember wieder gekommen und dachte nicht, dass Antu noch in Bremen ist und habe mein Leben gelebt. Ich hatte mittlerweile eine Art Beziehung mit jemand anderem. Und an diesem Wochenende hatten wir Streit und haben beide gemerkt, dass es bei uns beiden nicht so klappt und ich war total genervt. Dann komme ich ins Fehrfeld, in diese Kneipe, und da ist Antu und kellnert. Ich war so: „Scheiße, was mach ich jetzt?“.
Antu: Und dann haben wir uns ein, zwei Tage später wieder getroffen und verabredet und Racine meinte, dass sie einen Freund hat und ich dachte: Na toll, was soll ich denn jetzt überhaupt hier? Und später dachte ich: Irgendwie bekomme ich das doch noch hin. Und dann haben wir uns ein paar Tage später nochmals getroffen, im Fehrfeld. Ich habe dann einen Tisch reserviert und meine Kollegen haben das alles ganz schön gemacht. Mit einer leeren Hendricks-Flasche als Kerzenhalter.
Racine: So richtig romantisch.
Antu: Richtig gut.
Racine: Und die Hendricks-Flasche steht jetzt auf meiner Fensterbank … Ich habe dann auch ziemlich schnell gemerkt, dass ich Antu möchte und nicht den anderen – und das war mir eigentlich schon klar, auch während der Reise. Und dann habe ich das andere beendet und mich auf ihn eingelassen.
Antu: Und dann war es wieder so, dass sie meinte: „Ich bin übrigens in zwei Wochen wieder weg, für ungefähr zwei Monate“ und dann haben wir uns wieder so viel gesehen in der kurzen Zeit.
Racine: Ja und dann bin ich nach Portugal, um dort in einem Surfcamp zu arbeiten und eventuell möchte ich hier auch studieren. Antu ist gerade zu Besuch hier.

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Welche Eigenschaften mögt ihr am jeweils anderen am liebsten?
Antu: Ich finde es einfach perfekt, dass wir die gleichen Sachen mögen. Wie zum Beispiel in alte Gebäude Einbrechen und Surfen. Das liebe ich.
Racine: [lacht] Bei mir ist es sehr ähnlich. Ich mag es sehr, dass wir viel zusammen erleben und dass es nie langweilig wird. Dass wir immer was machen und coole Momente zusammen haben. Und auch, dass er mir Kontra gibt. Ich kann manchmal ein bisschen über das Ziel hinaus schießen und ich glaube, ich brauche jemanden, der nicht immer sagt: „Du machst alles ganz toll“. Aber er gibt nicht nur Kontra, sondern sagt auch nette Sachen. Die perfekte Mischung.

Habt ihr euch durch den jeweils anderen verändert?
Antu: Nein, eigentlich nicht. Aber ich kann bei ihr so sein wie ich will. Ich muss mich nicht verstellen. Manchmal ist es ja in einer Beziehung so, dass man ein ganz anderer Mensch ist und das ist mit Racine überhaupt nicht der Fall. Das beeinflusst im positiven Sinne.
Racine: Vielleicht, dass er so ein krasses Selbstvertrauen hat. Das färbt manchmal auf mich ab und ich fange an, mir selbst mehr zu vertrauen. Ich sehe an ihm, dass es voll die positiven Auswirkungen auf dein eigenes Leben hat, wenn du dich selbst nicht so stresst, sondern einfach mit positiven Gedanken an die Sache rangehst.

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Ihr surft beide. Ab und an auch mal zusammen. Habt ihr Verbesserungsvorschläge oder ein Lob für den Surf-Stil des jeweils anderen?
Antu: So gut kenne ich ihren Surfstil leider nicht. Heute habe ich sie eigentlich zum ersten Mal eine Welle reiten sehen. Häufig ist es so, dass ich eher die großen Wellen nehme und sie auf die kleinen geht, das heißt, man bekommt nicht so viel voneinander mit. Aber was ich heute von ihr gesehen habe, war sehr gut. Ich mag an ihrem Stil, dass sie ihren Rücken gerade macht und dass sie schön pushen kann und es sieht einfach gut aus. Es ist ein lässiger Stil.
Racine: Ich finde, es gibt Leute, die surfen gut, aber irgendwie sieht das so unnatürlich aus. Nicht so als sollten diese Leute surfen, weil es verkrampft wirkt. Und bei ihm sieht es gar nicht verkrampft aus, sondern entspannt. Aber Antu meinte mal, dass die Surflehrer in Frankreich sagen, dass er ein bisschen mehr …
Antu: … Ja, ich muss an meiner Haltung arbeiten. Ich darf nicht so einen runden Rücken machen.

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Gibt’s schon etwas, was euch am jeweils anderen nervt?
Antu: Ich habe manchmal das Gefühl, dass sie ein bisschen unorganisiert ist. Zum Beispiel bin ich ja jetzt die ganze Zeit Auto gefahren und sie kommt nicht auf das Navigieren klar.
Racine: Stimmt gar nicht. [lacht]
Antu:
Das hat mich schon genervt. Ich habe einmal auf die Karte geguckt und wusste direkt den Weg.
Racine: Okay, Stopp, Stopp. Jetzt bin ich dran. Das ist genau das, was mich an ihm nervt. Antu denkt sehr oft, dass er alles besser kann und nimmt die Sachen gerne in die Hand und das mache ich auch selbst gerne. Aber er ist so überzeugt davon, dass er es am besten macht, dass er mich an dieser Stelle nicht mitnimmt.
Antu: Naja [lacht]
Racine:
Doch, fast immer. Aber es ist normal. Wir chillen grade 24/7 und kennen uns noch nicht so lange und deswegen sind das einfach so Sachen, an die man sich erst gewöhnen muss.

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Was findet ihr am Style des jeweils anderen gut?
Antu: Mir gefällt ihr neuer Pulli am besten. Der aus Portugal. Dieser Hip Hop Style steht ihr eigentlich auch echt ganz gut.
Racine: Ach, dieser Graue mit Schwarz?
Antu: Ja, genau der.
Racine: Ich mag seine neuen weißen Sneaker, weil ich generell sehr gerne weiße Sneaker mag und die sind Tennisschuh-mäßig und nicht so typische weiße Superstars. Und die Jacke aus Nazaré. Ich hab die Jacke die ersten paar Wochen auch die ganze Zeit angezogen. Weil die einfach so warm und nice ist und dann sind wir nach Nazaré gefahren und ich musste mir unbedingt auch so eine kaufen (siehe Bild unten).

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Wie seht ihr eure gemeinsame Zukunft?
Antu: [lacht] Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder werde ich eine eigene Surfschule haben, vielleicht in Portugal oder in Indonesien. Da wird Racine dann auf jeden Fall mit dabei sein und sich ein bisschen um den Haushalt kümmern. [beide lachen]
Racine: Das war so klar, dass du das jetzt sagst.
Antu: Die zweite Möglichkeit ist, dass ich bei Werder Bremen Physiotherapeut bin und die Profis betreue. Und Werder in der Championsleague spielt. Natürlich! In diesem Plan ist Racine dann die Mutter. [lacht]
Racine: Die Mutter von dir oder was? [lacht] Keine Ahnung. In zehn Jahren, so mit Ende 20, Anfang 30, kann ich mir schon vorstellen, eine Familie zu haben, aber ich weiß nicht, ob er dann dabei ist. Das ist noch so lange hin. Es wäre schön. Es würden auf jeden Fall schöne Kinder werden.
Antu: Es wäre herrlich. Ein Traum. [lacht]
Racine: Neulich haben wir Wein getrunken und über unsere Zukunft geredet. Und haben beide im gleichen Moment gesagt, dass wir zehn Enkelkinder haben wollen. Da sind wir uns schon mal einig.
Antu: Nicht unbedingt viele Kinder, aber auf jeden Fall viele Enkelkinder. [lacht]
Racine: Im Ernst. Wir wollen das gar nicht so genau planen. Wir wissen nicht, was jetzt passiert, ob das überhaupt klappt, wenn ich in Portugal studiere und er irgendwo anders arbeitet, studiert oder eine Ausbildung macht. Und ob es hinhaut, wenn wir uns so wenig sehen. Und wenn es hinhaut, ist es voll schön, dann haben wir auf jeden Fall auch eine gemeinsame Zukunft. Aber wenn nicht, ist es so, dass wir beide, glaube ich, unseren eigenen Weg gehen wollen. Ich würde nicht meine Träume aufgeben und er würde auch nicht seine Träume aufgeben.

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Nachtrag: Kurz nach unserem Gespräch, haben sich die beiden endgültig getrennt. Die Trennung auf Zeit erschien zu lange. Racine wird doch nicht in Lissabon studieren, aber in Freiburg und Antu ist momentan wieder in Frankreich als Surflehrer und beginnt danach ein Studium in Berlin.

 

Anna Baur
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