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Film-News

Kopftücher, Wollröcke und Streik

Der neue Kinofilm „Die göttliche Ordnung“ handelt von Frauenpower, Machtwörtern und Mut – und davon, warum Putzen und Kochen nicht alles sein kann.

Stellt euch vor, euer Mann würde bestimmen ob ihr arbeiten gehen dürft und euch bei Tisch eine leere Bierflasche reicht, damit ihr ihm eine neue holt? Genau in diese Zeit entführt uns der Film „Die göttliche Ordnung“, der die 1970er in der Schweiz wiederbelebt. Frauen waren wie unmündige Kinder. Sie durften kein eigenes Bankkonto eröffnen, nicht arbeiten gehen und hatten durch das Eherecht klar zugewiesene Aufgaben. Emanzipation galt als Schimpfwort und die selbstbewusste Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht, wie wir es heute kennen, eine Schande.

Regisseurin Petra Volpe bringt nun einen Spielfilm in die Kinos, der diese Zeit nachahmt und uns vor Augen führt, dass „Frau sein“ vor knapp 50 Jahren noch etwas ganz anderes war. Im Vergleich zu Deutschland hat die Schweiz das Frauenwahlrecht erst 53 Jahre später eingeführt und Frauen erlaubt, bei dieser tollen Erfindung namens „Demokratie“ endlich mitzumachen. Doch richtige Gleichberechtigung braucht mehr als einen Wahlschein.

Ich würde gerne außer Haus arbeiten. Und das kann Hans mir einfach verbieten“, sagt Nora, gespielt von Marie Leuenberger. Ihr Mann Hans (Max Simonischek) schlägt vor, ihr noch ein Kind zu machen, damit ihr nicht so langweilig sei. Eine Schwangerschaft als Freizeitbeschäftigung? In der damaligen Zeit wurde unter Hobbies bei Frauen fast ausschließlich vermerkt „Putzen, waschen, kochen, Kinder hüten.“ So stand es im Gesetz und so wurde damals das Männer-Machtwort gesprochen.

Der Film „Die göttliche Ordnung“ dreht sich um die Geschichte von Nora, die zusammen mit ihrem Ehemann, den zwei Söhnen und ihrem Schwiegervater in einem beschaulichen Dorf im Appenzell ihr Leben als Heimchen am Herd führt. Doch dann gerät alles in einen Umbruch, als sich Nora dazu entschließt sich für das Frauenwahlrecht einzusetzen. Ihre Gegner sind dabei nicht nur die Männer, sondern auch andere Frauen. Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen lernen sie kennen, was es bedeutet den Streik zu eröffnen, in Zürich am Rande einer Demonstration einen Moment der Erleuchtung zu spüren und mit anderen Frauen (und vielen Spiegeln) die Kraft ihrer Vulva zu erforschen.

Wir haben den Film vorab gesehen und können euch sagen: Mit viel Ironie aber auch einer Portion Dramatik ist er eine Offenbarung in Schweizerdeutsch mit Untertiteln (in der unsynchronisierten Variante). Zwischen einer verstaubten Sexualmoral und veraltet paradoxen Werte entwickelt sich „Female Power“ und zeigt, was alles einhergeht, wenn man mit Kopftüchern und Wollröcken für etwas kämpft – und am Ende nicht nur Freiheit im Friseursalon, sondern auch für die Zukunft erleben kann.

Der Erfolgsfilm „Die göttliche Ordnung“ (ausgezeichnet mit mehreren Preisen) ist seit gestern in den deutschen Kinos – in einer Hochdeutschvariante, auch wenn wir das Schweizerdeutsch als authentischer empfanden. Seht hier den Trailer:

Laura Binder
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