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Kommentar

Ach, Justin!

Gestern habe ich mich von Justin Bieber getrennt. Den Umständen entsprechend geht es mir gut, danke der Nachfrage. Meinem eigenen Alter unentsprechend habe ich mich unter lauthals pubertierende Fans gemischt und mir den Live Auftritt des feuchten Pop-Traums zu Gemüte geführt. Vollkommen freiwillig. Ja. Ich bin Biebz Fan.

Ob mich das schon zum waschechten Belieber macht, bezweifle ich. Aber das wirklich gut produzierte Popalbum „Purpose“ läuft bei mir hoch und runter. Weite Strecken des Konzertes singe ich deswegen mit. Leider mehr als Justin selbst. Er performt halb Playback. Fail. Wenn er dann doch auf seine eigene Stimme setzt und zur Gitarre greift, sitzt zwar nicht jeder Ton, macht aber nichts, weil hysterisches Kreischen dezibelstark überschallt. Schlimmer sind die Momente, in denen das Mikro lustlos am Bieberarm baumelt und das Playback die Vocals übernimmt. Der Teenieschwarm hat keinen Bock. Keinen Bock auf kreischende Fans, keinen Bock auf albernes Rumgetanze, keinen Bock auf Teenieschwarm. Gefangen in der eigenen Popstarhaut schlurft Justin unmotiviert über die pyrotechnisch beeindruckende Bühne und liefert halbgar ab. Den Fans scheint das kaum aufzufallen, Freudentränen fließen in Strömen.

Und auch das Bühnenoutfit scheint kaum jemanden in der ausverkauften Arena so zu irritieren wie mich. Die schlecht sitzende beige Hose wird wahlweise mit einem schwarzen, später dann löchrigen weißen T-Shirt kombiniert. Ein rotes Bandana sowie ein schwarzer Hoodie haben Gastauftritte. Zu keiner Zeit überzeugt der Gesamtlook. Das Styling scheint der Träger selbst zu verantworten, die unmotivierte Handschrift ist erkennbar.

Absoluter Tiefpunkt meiner Konzerterfahrung ist die „Biebersche Fragerunde“. Der Popstar gibt sich nach der Pause (ja, gab es) volksnah und reicht sein Mikro an angeblich wissensdurstige Fans weiter, die, frei von der kollektiven Schnappatmung der vorderen Reihen und in akzentfreiem amerikanischen Englisch Fragen vortragen, die Fans nicht stellen: Liebst du Gott genauso sehr wie du uns liebst? Ohja, er liebt Gott. Glaubst du an Geister? (Meine Mutter kommt aus Afghanistan, da gibt es sehr viele Geister.) Ja, auch Justin glaubt an Geister. Es folgen ein spiritueller Song und ein geflüstertes Lob für die tolle Frage. Zwei Dinge können dank dieses ausgeklügelten Dialogs außerdem geklärt werden: Biebz betont, dass er aus Kanada stammt und zu diesem Land eine starke Bindung hat. (Mal kurz vom frisch gebackenen Trump Amerika distanziert. Puh.) Und ja, dieses Konzert wird es wahrscheinlich auf Video und demnächst zu kaufen geben. Gut, dass du fragst…

Diese spärliche und offensichtlich inszenierte Interaktion mit dem Publikum bleibt die einzige des Abends. Für mich Anlass dazu, meine Liaison mit Bieber zu beenden. Das ist zu wenig für eine große Liebe, Justin. Auch wenn du am Ende so schön „Sorry“ mitsingst. Ich für meinen Teil glaube leider nicht an Geister.

Turid Reinicke

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