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Sarah P. im Interview über bewegende Pop-Musik, Liebe und Frau sein

Die Electro-Pop Musikerin Sarah P. stellt mit ihrem neuen Album die Frage „Wer bin ich?“ – und erklärt im Interview, warum wir uns das alle hin und wieder fragen sollten.

Stechend blaue Augen, ein verspielter Look, elektronisch seichte Beats und eine Stimme, die mit voller Kraft trotzdem zart klingt – das ist Sarah P. Ihre Musikkarriere begann kurz vor dem Anschluss ihres Schauspielstudiums in Athen. Zur gleichen Zeit war sie die Frontfrau des Dreampop Duos Keep Shelly in Athens. 2014 verließ sie die Band und die griechische Wärme und kam zu uns in die Hauptstadt, nach Berlin. Nach der Zusammenarbeit mit Künstlern wie Sun Glitters oder The New Division, veröffentlichte sie dieses Jahr im Mai ihr erstes Soloalbum „Who Am I“ – eine Ode an tiefsitzende menschliche Bedürfnisse nach Sicherheit und Liebe. Sarah P. verpackt Botschaften und Erzählungen von Ängsten, Hoffnungen und Träumen und ummantelt sie mit harmonischen Electro Beats – und beweist damit, dass sich Pop-Musik auch kritisch mit der Welt und vor allem mit sich selbst auseinander setzen kann.

Wir haben mit Sarah P. über ihre Musik gesprochen, warum wir uns dauernd verändern wollen und wieso Liebe und Sicherheit die Grundlagen für Frieden sind.

Was machst du?
Ich mache Pop-Musik, die Dinge zu sagen hat. Ich denke, dass das wichtig ist und in der aktuellen Musikwelt fehlt.

Dein Album beschäftigt sich mit der Frage „Wer bin ich?“ – doch ist es überhaupt noch möglich diese Frage zu beantworten oder ändert sich die Antwort stetig?
Gute Frage … Ich denke, wir wollen uns dauernd ändern – deshalb passen wir uns neuen Trends oder Situationen permanent an. Wir können nicht still sitzen, wenn sich die Welt so schnell verändert. Andererseits sehen wir in der Politik eine Wende zum Konservatismus, was eine seltsame Revolution gegen das immer schneller werdende Lebenstempo ist. Das provoziert eine „Lass uns in die einfacheren Zeiten zurückkehren“-Haltung – nach dem Motto Back to the roots. Wir denken, wir kennen unsere Vergangenheit, wir romantisieren sie sogar und vergessen all jene Dinge, die in der jüngsten und älteren Geschichte schief gelaufen sind. Deshalb denke ich, dass es wichtig ist, sich hin und wieder zu fragen „Wer bin ich?“ – selbst wenn es nur für einen ganz alleine beantwortet wird.

Hobby oder Welt erobern?
Welteroberung for the win! Musik war nie nur ein Hobby für mich. Ich habe vor sieben Jahren angefangen und hatte einen wirklich guten Start mit der Band, in der ich damals war. Seitdem haben sich viele Dinge verändert, sowohl in der Welt als auch im Mikrokosmos der Musikindustrie. Allerdings sehe ich keine Veränderung meines ursprünglichen Ziels, einen größtmöglichen Einfluss zu machen.

Wie würdest Du deinen Stil beschreiben?
Fun steht an erster Stelle. Vielleicht ist mein Stil manchmal ein bisschen kindisch aber definitiv nicht trendy – und das sage ich nicht aus Snobismus. Ich trage, kreiere und bin nur das, was mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Hast du ein Vorbild?
Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht an Vorbilder. Es gibt viele Leute – berühmt und unbekannt, von Michelle Obama bis zu meiner Oma – die ich bewundere. Allerdings gibt es keine einzige Person bei der ich fühle, dass ich wie sie sein sollte. Ich glaube an Inspiration von anderen, die man zu seinem eigenen Ding machen kann, anstatt abzuwarten, um zu sehen was ein Role Model tun wird und das nur nachzuahmen.

Was ist Mode für dich?
Mode ist eines der schönsten Dinge, die Menschen erfunden haben. Man kann sich leicht ausdrücken, zum Beispiel die eigene Stimmung und Persönlichkeit – und eine Aussage oder eine Nachricht senden. Mode und der Sinn für Stil sind Formen von Kunst und wir alle haben ein Leben lang Zeit um diese zu meistern.

Was magst Du an dir am liebsten?
Wenn ich etwas sagen will, sage ich es gerade heraus. Und wenn ich es nicht tue, dann können Leute es in meinem Gesicht oder meiner Körpersprache lesen. In einer Zeit in der viele Leute ständig gemischte Signale senden, bin ich froh sagen zu können, dass ich keiner von ihnen bin. Das ist doch eine gute Sache, oder? Manchmal bin ich mir damit nicht sicher. (lacht)

Definiere „Frau sein“.
Es bedeutet, in einer Welt zu leben, in der du theoretisch Männern gleichgestellt bist, aber in der Praxis es definitiv nicht bist. Und damit musst du als Frau umgehen, ohne dass dir jemand sagt wie.

Welche sind deine persönlichen Dämonen?
Nicht die Kontrolle über eine Situation zu haben. Dann wird es machmal wirklich laut in meinem Kopf, weil ich alle möglichen Szenarien und Hindernisse, die kommen könnten, durchdenke, um vorbereitet zu sein und zu wissen wie ich diese anpacken könnte.

Warum sind uns die Bedürfnisse Liebe und Sicherheit so wichtig?
Weil wir wissen, dass wir nur unter diesen Zuständen Frieden finden können. Nur so können wir unser volles Potenzial ausschöpfen. Es ist wichtig, Liebe zu fühlen und sicher zu sein. In der Geschichte sind alle schrecklichen Dinge von Leuten ausgegangen, die absolut hasserfüllt, ängstlich und/oder unsicher waren.

Heutzutage ändert sich die Welt fast tagtäglich und das macht es immer schwerer sich sicher zu fühlen. Auch die Liebe ist mehr und mehr eine Momentaufnahme geworden und hat immer weniger mit dem ursprünglichen Idealbild von Liebe zu tun. Letzteres muss nicht unbedingt falsch sein, denn wenn es das ist was wir wollen, ist das natürlich in Ordnung. Aber das ist vielleicht eine andere Konversation, die sehr lang werden kann.

Was liebst du an Berlin? Warum ist es deine Wahlheimat geworden?
Meine Heimatstadt und Berlin sind nicht sehr anders. Ich empfinde Berlin als sehr geräumig – eine chillige Version von Athen. Das schätze ich sehr. Athen ist groß, aber nicht zu groß. Ich bin sehr dankbar, dass Berlin mir die Chance geben hat einen Neuanfang zu wagen.

Eine andere Sache, die ich sehr charmant und inspirierend an Berlin finde sind die verschiedenen Gesichter der Stadt. Jedes Viertel hat einen anderen Charakter und Lebensstil. Ich liebe das – Berlin ist eine Stadt, die dir erlaubt, zu sein, wer auch immer du sein möchtest. Wie viele Orte gibt es auf dieser Welt, die so großzügig und akzeptierend sind?

Welche zukünftigen Projekte stehen an?
Mehr Musik, mehr Videos. Ich arbeite schon an meinem nächsten Album, was sehr aufregend ist. Einige Live-Shows – aber mehr erfahrt ihr bald!

Was ist deine Botschaft an die Frauen da draußen?
Wir müssen hart arbeiten, manchmal härter als andere. Wir müssen weniger hassen und sollten uns auf solide Lösungen konzentrieren – wie wir die Jüngeren, die Peers, die Älteren erziehen. Wie wir uns in Situationen, in denen wir gefangen sind, retten können.

Es ist großartig, dass wir begonnen haben, uns in lokalen Gemeinschaften oder online zu organisieren. Allerdings hat sich unsere Bewegung bislang meistens auf die Individualität in unseren westlichen Gesellschaften konzentriert – was nötig war. Ich spreche von Bewegungen wie „Free the Nipple“ oder der Erkenntnis, dass alle Körper schön sind. Aber wenn wir das größere Bild sehen, gibt es viele Dinge die schief gehen – manchmal auch etwas weiter weg von zu Hause. Wir können nicht vorankommen, wenn einige von uns zurückgelassen werden.

 

Credit: Photos by Fotini Chora

Laura Binder
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