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Der neue Slang ist überall und scheint schon wieder ausgelutscht. Doch was ist das für 1 Sprache? Vong Ursprung her?

Keep It Real On A Saturday

Satire oder Dummheit?

Der neue Slang ist überall und scheint schon wieder ausgelutscht. Doch was ist das für 1 Sprache? Vong Ursprung her?

Die einen feiern den neuen coolen Slang total ab, die anderen verdrehen die Augen. Früher haben wir noch „Schädelficken“ statt „Kopfschmerzen“ gesagt – naja, wir nicht, es wurde uns einfach als Jugendsprache von irgendwelchen Marketingtypen pauschal in den Mund gelegt, während wir uns immer gefragt haben, welche Honks ernsthaft so kommunizieren. Und heute wünschen wir uns „Vong Herzen her ales Liebe zum Wallendienstag“ und fragen uns, was das für 1 Life ist. Doch was hat es mit dieser gespielten Legasthenie-Sprache auf sich? Finden wir es wirklich witzig, mit Absicht dumm zu schreiben oder kommt uns modernen Rechtschreibgegnern dieser Slang entgegen?

Mal ganz ehrlich: Wer beherrscht heute noch die feine deutsche Sprache und kann den Duden von A-Z auswendig? Wer jetzt ganz selbstbewusst „ICH“ schreit, sollte sich fragen, ob er zu den bösen Menschen gehört, die „Pizzas“ (statt Pizzen) und „Atlässe“ (statt Atlanten) solange gesagt haben, bis es tatsächlich in der deutschen Rechtschreibung verankert war. Oder die bei Anekdoten noch „ich habe ihm gewunken“ statt „gewinkt“ erzählen. Im Herzen jedes Sprachliebhabers tut sowas natürlich weh. Und Gleiches trifft auch auf die Jugendsprache zu. Doch bisher gab es immer einzelne Wörter oder kurze Formulierungen à la „Gönn Dir“ und keinen eigenen Slang, der so voller Dummheit trieft, dass man sich bei manchen Leuten nicht mehr vorstellen kann, dass es scherzhaft ist. Wer hat damit angefangen? Irgendwelche Influencer oder die poetische Facebook-Seite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“? In einem Interview mit jetzt.de erfahren wir, dass der Gründer der Seite Sebastian Zawrel heißt, 32 Jahre alt ist und aus dem bayerischen Amberg kommt. Seine Delfin- und Sonnenuntergangsbilder mit schlechtem M0ney-Boy-Deutsch sollen die Leute unterhalten und genau die Sprache parodieren, die er selbst oft in Kommentarspalten gelesen und an zwei langweiligen Wochen studiert hat, um eine neue Seite zu gründen.
Wir alle kennen diese Art von Kommentaren, bei der wir nur den Kopf schütteln können. Deshalb findet es Sebastian auch ziemlich witzig, Leute mit dieser Sprache zu ärgern. Unter Sprüchen (wie „passend“ zum Weltfrauentag) „Hinter jeder starkem Frau fehrt 1 Mann was auf sein Fahrad nicht hinterher kommt lol“ häufen sich Kommentare von Usern, die seinen Slang imitieren. Aus „einem“ wird „1“, Buchstabendreher und falsche Konjugationen gehören dazu und abgerundet wird mit „vong … her“ – auch das Wort „lol“ hat sich wieder etabliert. Als die Seite groß zu werden begann – vorletztes Jahr im Oktober – hat der Gründer bei Interviewanfragen vom BR und SWR noch behauptet, es sei ihm ernst. Inzwischen hat die Seite über 322.000 Likes und dürfte dafür bekannt sein, dass die pure Satire der deutschen Sprache ein Hit ist. Mittlerweile veröffentlicht der Autor der Seite auch Kurzgeschichten und eine Pulloverkollektion. Hätten wir gewusst, dass sich damit im Endeffekt auch noch Geld machen lässt, hätten wir unsere Schreibversuche aus der Grundschule aufgehoben – vong Inspiration her.

Eigentlich folgt das Prinzip dieser Sprache dem des Assi-TVs. Die einen sagen „So sind wir aber nicht!“ und die anderen meinen „Die reden genau wie wir!“. Unser Verlangen nach gutem Trash ist nun mal unersättlich und deshalb lieben wir es auch, unter dummen Bildern einfach nur die noch dümmeren Kommentare zu lesen, um diese dann zu imitieren und darüber zu lachen. Manchmal verschwimmen aber auch die Grenzen, ob es jemand ernst meint mit dieser Sprache oder tatsächlich so schreibt. So witzig es auch ist, umso mehr nervt es, wenn es Leute übertreiben müssen und sich nur noch auf diese Weise ausdrücken. Einen Witz erzählt man schließlich auch nicht hundertmal, irgendwann lacht niemand mehr. Nur mal so als Beispiel, von der Logik her.

Laura Binder
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