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Sophia Wenzel: „Alles was man braucht, ist Durst.“

Das Bier Trinken zum Beruf machen? Warum eigentlich nicht. Sophia ist Bier-Sommelière und verrät im Interview, warum sie sich in der Branche durchgesetzt hat – ganz ohne Schnurrbart oder Bierbauch.

Spätestens wenn man Sophia Wenzel kennengelernt hat, fällt der Satz „Ich trink einen Sekt vielleicht“ nicht mehr so oft. Beim Craft Beer Tasting im Headquarter des Hamburger Delikatessenhändlers Foodist ist Sophias positive Art nicht nur dem Alkohol zu verdanken. Noch bevor der erste Kronkorken zu Boden fällt, hat uns die junge Hamburgerin bereits in ihrem Bann – und das nicht nur, weil sie sich „Bier-Sommelière des Jahres“ (2015) nennen darf. In Skinny Jeans, weißem Shirt, rotem Lippenstift und mit viel Know-How macht sie uns alten Weintrinkern die Lust auf ein gutes Bier wieder schmackhaft. Während wir uns am Buffet noch eine gute Grundlage für das anschließende Tasting schaffen, erklärt sie zusammen mit Foodist-Gründer Alex Djordjevic, warum gerade die kleinen Brauereien so interessant sind und Bier nicht immer nach bitterem Pils, sondern auch nach Mango, Maracuja, Koriander oder Chili schmecken kann. Auch Schokoladen- oder Kokos-Aromen sind keine Seltenheit. Wir schnappen uns ein Glas und können kaum darauf warten, in den Genuss zu kommen, das alles auszutesten. Und tatsächlich ist ein Bier-Tasting wesentlich entspannter als das typische Wein-Geheuchel inklusive Glas schwenken, schnuppern und das Jahr schätzen. Da wir gemäß Sophias Motto nur Durst brauchen, heißt es deshalb schnell: Prost! 🍻

Nach ihrer klassischen Ausbildung zur Restaurantfachfrau hat Sophia noch vor der Eröffnung in Tim Mälzers Bullerei angefangen und auch das benachbarte Braugasthaus „Altes Mädchen“ mit aufgebaut. Was sie neben dem professionellen Biertrinken und Ausschenken noch so mag, beantwortet unser neues #girlsforblonde im Interview.

Was machst du?
Ich bin eine Hamburger Bier-Sommelière und arbeite ausschließlich im Bereich „Craft Beer“. Aktuell kümmere ich mich unter anderem um alle Biere für Foodist. Meine Arbeit macht unglaublich viel Spaß, da die Szene sehr bodenständig und geradezu familiär ist. Craft Beer wird mit unglaublich viel Leidenschaft und reichlich Liebe zu den verwendeten Rohstoffen, zu der jeweiligen Region sowie der Jahreszeit hergestellt. Oft sind es kleine Brauereien, die aufgrund ihrer Liebe zum Brauen ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Die Etiketten sind bunt, die Namen witzig. Es motiviert mich, jeden Tag ein „gutes Produkt“ mit bestem Gewissen zu erklären und vor allem zu vermitteln. Mit Freunden ein gutes Bier teilen und genießen zu können, ist ein echtes Erlebnis. Nicht nur auf deiner Zunge, sondern auch fürs Herz. Das gibt mir unglaublich viel.

Hobby oder Welt erobern?
Die Welt erobern – als Hobby. Und das Hobby dann zum Beruf machen.

Wie ist es als Frau in der männerdominierten Bierszene?
Ganz so schlimm ist es nicht. Als ich aber vor einigen Jahren mit dem Thema angefangen habe, war Craft Beer in Deutschland eh ein ungeschriebenes Blatt. Es bedurfte sehr viel Überzeugungs- und Erklärungsarbeit. Und selbstverständlich war es für viele irritierend, dass ich als junge, urbane Frau mit Anfang 20 den eingefleischten Biertrinkern jetzt was über „IHR“ Getränk erzählen wollte. Dazu noch ganz ohne Schnurrbart und Bierbauch. Ich musste mich erst einmal beweisen und bin aber meinen Weg gegangen, war fachlich immer so gut im Thema, dass mir niemand so schnell etwas vormachen konnte und ich auf jede noch so kritische Frage immer eine passende Antwort parat hatte. Über die Jahre habe ich mir eine gewisse Kompetenz erarbeitet, die mir natürlich auf Dauer sehr hilft. Viele dieser „Männer“ sind mittlerweile sehr geschätzte Kollegen von mir. Ich fühle mich daher gar nicht in der Minderheit – eher im Team „Craft Beer“. Diese Leidenschaft verbindet uns alle irgendwie.

Sophia & Alex; photo by @thefishandtheknife

Wie würdest Du deinen Stil beschreiben?
Meine Klamotten sind tagsüber eher sportlich und casual. Jeans, T-Shirt und Schmuck. Am Abend, beziehungsweise zum Ausgehen, kann das, je nach Veranstaltung, auch mal richtig schick sein. High Heels, Kleid oder ein geniales Vintage-Outfit.

Was ist Mode für dich?
Mode ist für mich immer Spaß – und gute Laune. Sie muss mich bewegen, begeistern oder einfach irgendwie anmachen. Sie ist gleichzeitig ein ganz wichtiger Teil meiner Erscheinung, ein Ausdruck meiner Laune oder auch eine Möglichkeit, um mich meinem Umfeld anzupassen oder abzuheben.

Was magst Du an dir am liebsten?
Ich freue mich oft darüber, dass ich so tolle Freunde habe und dass es mir mit mir selbst nicht allzu oft langweilig wird. Außerdem mag ich meinen Humor, der mich schon in vielen Situationen gerettet hat. Ganz egal, ob mit Galgenhumor oder Small Talk. Und was ich koche, schmeckt auch ausgesprochen gut!

Definiere „Frau sein“.
Schwierig – vielleicht Emotionen anders ausdrücken, eine höhere Empathie und Kommunikation an den Tag legen. Und irgendwie sanfter sein.

Welche sind deine persönlichen Dämonen?
Meine impulsive und offene Attitüde steht mir manchmal im Weg. Sehr laut zu sagen, was man gerade denkt und eine gewisse Emotionalität ist nicht in allen Lebensbereichen hilfreich.

Welche zukünftigen Projekte stehen an?
Einiges ist gerade in der Pipeline. Neue Videos mit Bier. Mehr mit Foodist. Mehr Vorträge und Workshops. Vieles ist noch nicht spruchreif. Ich droppe lieber das fertige Ergebnis als vorher viel darüber zu reden. Aber auf meinem Insta-Account teile ich immer sofort den aktuellen Shit. Mein Wunsch ist es, noch so viel es geht zu lernen. Ich möchte mich weiterentwickeln. Neue Dinge ausprobieren. Es soll nicht langweilig sein. In einigen Jahren möchte ich auf meine Arbeit zurück blicken und mich fragen: „Was für witzige und geile Sachen hast Du denn gemacht?“ Das ist doch ganz erstrebenswert.

Was ist deine Botschaft an die Frauen da draußen?
Immer positiv denken! Das Leben ist schön!

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Mehr zu Sophia und den Foodist Craft Beer Boxen gibt es unter foodist.de // sophia-wenzel.de

Laura Binder
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