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Editorial

Haut an Haut und nicht anders.

Ich will ganz simpel, ganz rudimentär mehr Liebe für dich, für mich, für uns. Einander gleich sein, eins sein. Vielfältig, bunt, echt, hautnah. Ich sehe dich, mich, ich sehe uns. Mensch. Haut an Haut.

Menschlich.

Ich lege vorsichtig eine Hand auf meine Wange. Sie ertastet die Stelle des Aufschlags. Ich spüre einen Schmerz. Kreisende Linien ziehen mich in ihren Bann. Schwindel. Der Atem stockt und die Füße verlieren ihren festen Stand. Mir wird schlecht.

Wenn dir die Machtlosigkeit ins Gesicht schlägt, trifft sie die Hautoberfläche so hart und dumpf, dass das Bewusstsein für einen Moment schwindet. Das Aufwachen aus der Ohnmacht ist kein angenehmes Gefühl. Kein Aufschrecken aus einem Alptraum: Die Fantasiebilder wegwischen und morgen sieht die Welt wieder anders aus. Eine Hülle legt sich um die Gedanken, wie ein betäubender Halbschlaf. Die Töne der Außenwelt werden leiser. Jetzt bekommt alles einen undeutlichen, weitentfernten Klang. Zu viel Bass und zu wenig Höhen. Es fehlt ganz klar die Melodie.

Das ist nun meine neue Realität. Ich spüre sie deutlich und doch ist sie kaum greifbar.
Stille. Der Atem legt sich beruhigend über die Gedanken. Die Lungenflügel heben und senken sich. Einatmen für 5,4,3,2,1 und Ausatmen für 5,4,3 – scheiße! Der Atem hat seinen ruhigen Rhythmus verlassen und schlägt nun taklos, vorwärts, aufwärts und kurz zwischen Kehle und Mund hin und her. Ein Gefühl steigt in mir auf. Es hat seinen Ursprung in der Magengegend. Bewegt sich über die Bahnen durch meinen Körper. Meine Halsschlagader pocht. Im Kopf angekommen wird das Gefühl in ein Wort umgewandelt: Wut. Rasende, treibende Wut. Das Gefühl hat die Handflächen erreicht. Jetzt sind es Fäuste. Ich will um mich schlagen, will schreien. Der Laut erstickt in der Kehle. Ich bin müde.

Ich will ganz simpel, ganz rudimentär mehr Liebe für dich, für mich, für uns. Einander gleich sein, eins sein. Vielfältig, bunt, echt, hautnah. Ich sehe dich, mich, ich sehe uns. Mensch.

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Haut an Haut und nicht anders. Das zweite Gedicht findet unter kollektiv49.com

Text: Ava Carstens
Fotos: Daniel Wesche
Insta: @realkollektiv
Unterwäsche: Björn Borg – Skin Collection

Joanna Catherine Schröder
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