Sie war Latin Pop lange bevor es zum globalen Mainstream wurde. Sie hat Trennungsschmerz in Welthits verwandelt und sich nach mehr als 30 Jahren im Business noch einmal neu erfunden. Shakira ist zurück. Ab Freitag steht sie für über vier Wochen in Madrid in einem eigens für sie entworfenen Stadion auf der Bühne und zeigt der Welt, dass Latin Pop die neue Weltwährung ist.
Die lockigen blonden Haare. Diese Stimme, die man nach ungefähr drei Sekunden erkennt. Und natürlich Whenever, Wherever. Underneath Your Clothes. La Tortura. Hips Don’t Lie. Waka Waka. Songs, die längst weniger für eine bestimmte Zeit stehen als viel mehr für ganz persönliche Momente.
Shakira hat den Soundtrack für ziemlich viele Leben geliefert. Dabei vergisst man leicht, wie ungewöhnlich ihre Karriere eigentlich verlief.

Von Barranquilla in die Welt
Als Shakira Isabel Mebarak Ripoll 1977 im kolumbianischen Barranquilla geboren wird, deutet wenig darauf hin, dass dieses Mädchen einmal zu den bekanntesten Frauen der Welt gehören wird. Mit 13 veröffentlicht sie ihr erstes Album. Der ganz große Erfolg kommt zunächst in Lateinamerika. Lange bevor die internationale Popwelt sie entdeckt, schreibt Shakira ihre Songs selbst, spielt Gitarre und verbindet Rock, Latin Music, Pop und arabische Einflüsse zu einem Sound, der sich erstaunlich wenig darum kümmert, in welche Schublade er eigentlich gehört.
2001 kommt dann das Album Laundry Service und plötzlich kennt die ganze Welt diese Frau. Die Single Whenever, Wherever wird zum globalen Hit. Shakira singt auf Englisch, ohne ihre lateinamerikanischen Wurzeln abzulegen. Genau das macht den Unterschied. Sie versucht nicht, wie ein amerikanischer Popstar zu klingen. Sie sorgt dafür, dass ein kolumbianischer Popstar amerikanische Charts erobert.
Bauchtanz, Latin Dance, Rock-Performance, präzise Choreografie und diese vollkommen unverwechselbaren Hüftbewegungen: Bei Shakira wird Tanz zu Identität. Als 2006 Hips Don’t Lie erscheint, wird aus dieser Körpersprache endgültig ein globales Pop-Phänomen.

Eine Trennung in der Öffentlichkeit
Die vielleicht interessanteste Shakira beginnt aber dort, wo die perfekte Popstar-Geschichte aufhört. 2022 zerbricht nach mehr als einem Jahrzehnt ihre Beziehung mit dem Fußballer Gerard Piqué, dem Vater ihrer beiden Söhne. Was folgt, findet nicht im Privaten statt. Die Trennung wird zum weltweiten Medienthema. Shakira verarbeitet in ihrer Musik.
Anfang 2023 entsteht BZRP Music Sessions #53 mit dem argentinischen Produzenten Bizarrap. Aus einer Trennung wird ein Song, aus einem Song ein globales Ereignis und aus Shakira plötzlich die Stimme für Frauen, die dieses Gefühl ziemlich genau kennen. Herzschmerz? Ja. Selbstmitleid? Nein.
2024 gibt sie diesem neuen Kapitel schließlich einen Namen: Las Mujeres Ya No Lloran – Frauen weinen nicht mehr. Shakira hat aus einer persönlichen Krise Musik gemacht. Sie war wütend. Traurig. Provokant. Manchmal ziemlich direkt.
Heute spricht sie anders über das Frau-sein als noch vor 20 Jahren. „Jede Variante meines Frau-seins ist eine Momentaufnahme, ein Spiegel dessen, wer ich gerade bin.“ Rock-Girl. Latin-Star. Blonde Pop-Ikone. Sexsymbol. Partnerin. Mutter. Verlassene. Kämpferin. Unternehmerin. She Wolf. Keine dieser Shakiras muss die vorherige auslöschen.
Shakira beschreibt das Album Las Mujeres Ya No Lloran als Produkt einer tiefgreifenden Veränderung ihres Lebens. Der Schmerz wird nicht verdrängt, sondern verarbeitet und im besten Fall in etwas verwandelt, das einen stärker macht. Du darfst weinen. Aber deine Geschichte endet nicht mit deinen Tränen.

Forever She Wolf
Heute füllt Shakira Stadien. Sie tanzt. Sie zeigt ihren Körper. Sie ist sexy, ohne um Erlaubnis zu fragen. Und sie versucht vor allem nicht, eine 25-jährige Version ihrer selbst zu spielen. Shakira begegnet dem Älterwerden erstaunlich pragmatisch.
Älterwerden sei für sie vor allem „eine Einstellungssache“. Sie sagt, sie hätte selbst nicht erwartet, in ihren Vierzigern noch derart viel Energie zu besitzen. Und der Beweis dafür findet auf der Bühne statt: Ihre aktuelle Tour ist die größte ihrer Karriere, mit längeren Shows und mehr Choreografie als je zuvor. Während Popstars normalerweise irgendwann ihre Shows reduzieren, dreht Shakira noch einmal auf. Sie sei weiterhin hungrig auf neue Musik und glücklich darüber, ihre Leidenschaft wieder vollkommen leben zu können.
2009 erschien She Wolf, einer dieser wunderbar merkwürdigen Shakira-Songs, die irgendwo zwischen Disco, Electro, Pop und kompletter Verrücktheit funktionieren. Heute wirkt der Titel fast prophetisch. Denn Shakira hat etwas von einer Wölfin.
In einem Interview wird Shakira gefragt, welchen Rat sie heute ihrem früheren Ich geben würde. Ihre Antwort ist simpel: „Halte durch!“ Und dann fügt sie hinzu: Einfacher wird es nämlich nicht. Deine Ziele werden sich ständig ändern, aber mit der Zeit lernst du, besser mit Hindernissen umzugehen. Sich selbst zu verstehen und die eigenen Gefühle einordnen zu können, ist die Grundlage für emotionale Intelligenz, für Mitgefühl und fürs Leben generell.
Es mag sein, dass Shakira manchmal aus unserem Blickfeld verschwindet, doch dann taucht sie plötzlich wieder auf. Sie überlebt Veränderungen, Trends, Beziehungen, musikalische Moden und inzwischen mehrere Generationen von Popstars.
Und wenn es notwendig wird, zeigt sie die Zähne.
Shakira versucht nicht mehr, jemand zu werden. Sie weiß längst, wer sie ist.
And those hips still don’t lie.

Credits:
Artist: Shakira @shakira
Photography: Chris Cornejo
Text: Leana Läpple
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