Pop-Newcomerin Bülow: „Songs müssen Beziehungen realistischer darstellen”

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Ihr Debüt-Hit war gar kein Lovesong – und doch ist Romantik das Hauptthema in den Tracks der Sängerin bülow. Warum ein Umzug Abschiede erleichtern kann, alte Song-Klischees sterben müssen und für wen sie auf Tinder nach rechts wischt: Eine One-Woman-Lovestory.

Titelfoto: Justin Alexis

Schon in ihrer ersten Antwort verfällt Megan Bülow, genannt bülow, in ein charmantes Denglisch. Sie beschreibt, an wen sie sich wendet, wenn es mal wieder um Liebe und Romantik geht. Also, außerhalb ihrer Songs. „Normalerweise spreche ich mit meinen Freunden, they’re like my rock through everything, whenever I have my highest highs and lowest lows”. Wer bülows Vergangenheit nicht kennt, könnte hinter einem solchen Sprachmix vielleicht arrogante Popstar-Attitüden vermuten, oder eben einfach den Status quo in Berlin, von wo aus bülow gerade anruft – niemand muss mehr Deutsch sprechen. Bei der 18-Jährigen ist der Lingo-Mix allerdings mehr Lebenswahrheit als aufgesetztes, internationales Star-Gehabe. Bülows Heimat ist in Hamburg, gelebt hat sie dort aber nur acht Jahre, an der Hochallee in einem der teuersten Viertel der Stadt. Dann kam Berlin, danach zwei Jahre Niederlande, zuletzt Texas. Jetzt wohnt bülow in Toronto. Deutsch spricht sie nur noch mit ihren Eltern, die wohnen wiederum noch in Holland. Und mit manchen Freunden. Mit den Großeltern auch, aber „das war’s”.

Hochallee, Holland, Highschool, alles das liegt jetzt hinter der Sängerin. Vor einem Jahr „explodierte” bülows Track „Not A Love Song” im Netz, da ging sie als Megan Bülow gerade noch zur Schule. Die US-Musikseite Billboard bezeichnet sie jetzt als „rising star”, internationale Blogger packen ihre Songs in die Insta-Story. Bülows Freunde gehen aufs College, für sie selbst aber war das nie der Plan. „Es sollte immer hier enden”, sagt sie klar und deutlich (wir halten uns, trotz allem Denglisch-Charme, in diesem Text mal an die deutsche Übersetzung). Trotzdem: Egal wie schrecklich die Schulzeit war (und für bülow war sie wörtlich „die Hölle”), ein bisschen Nostalgie ergreift doch jeden, wenn sich die Wege der besten Freunde trennen. Oder nicht? „Meine wirklich engen Freunde werden wissen, dass ich bei vielen großen Momenten nicht dabei sein werde”, sagt die Sängerin und wirkt dabei nicht geknickt, sondern fast abgeklärt. „Es wird auch definitiv ein paar Trennungen geben, aber man kann nur versuchen, im engsten Kreis füreinander da zu sein”.

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„Wir brauchen  mehr Leute, die aus den Normen der Gesellschaft ausbrechen. Es gibt noch so viele Menschen, die Liebesgeschichten aus einer sehr unrealistischen Sichtweise erzählen: Das Mädchen will auf jeden Fall eine Beziehung, der Typ aber nicht. Aber es gibt noch eine andere Perspektive, die nicht genug beleuchtet wird.”

Trennungen müssten jemandem wie bülow aber doch leicht fallen, schließlich könnte man glauben, dass ihr Nomadenleben sie auf viele Abschiede vorbereitet hätte. „Manchmal ist es für mich einfacher, auf Wiedersehen zu sagen, aber andererseits auch nicht: Mit jedem Abschied kommt ein neuer Schmerz – und auch Schuldgefühle. Das macht die Umzüge hart. Aber die Musik war sowieso immer meine ,first love’, sie war durchweg für mich da”. Also hat bülow, wie das Musiker eben so machen, ihren Schmerz in Songs verarbeitet. Herzzerreißende Balladen sind dabei nicht rausgekommen. Hämmernde Pop-Beats, Autotune, ein bisschen Fuck-You-Attitude und Hip-Hop-Einflüsse definieren ihre ersten beiden (schmerzhaft betitelten) EPs Damaged Vol. 1 & 2”. Bülow singt Lovesongs, die eben keine sind. Und über Gegensätze: Songs wie die Elektropop-Nummer Sad and Bored” treffen auf ihre aktuelle Single, den Folk-inspirierten Track „Two Punks In Love”, der an bülows Anfänge als Straßenmusikerin erinnert. Diese Nummern sollen aber nicht nur das Schema klassischer Lovesongs umdrehen, sondern auch inhaltlich die typische Lovestory ganz neu erzählen. „Wir brauchen immer noch mehr Leute, die aus den Normen der Gesellschaft ausbrechen. Es gibt noch so viele Menschen, die Geschichten aus einer sehr unrealistischen Sichtweise erzählen: Das Mädchen will auf jeden Fall eine Beziehung, der Typ aber nicht. Aber es gibt eben noch die umgekehrte Sicht, eine andere Perspektive, die nicht genug beleuchtet wird. Das mache ich mit meiner Musik: Es gibt keinen Filter, keinen Bullshit, ich sage die Dinge so, wie sie sind.”

„Meine beste Freundin Elise ist sehr sozial und kontaktfreudig. Ihr ist total egal, was andere Menschen von ihr denken und das finde ich inspirierend.”

Aber wie laufen die Dinge denn bei bülow? So genau weiß sie das auch nicht immer. Sich gegenüber fremden Menschen ehrlich verletzlich zu zeigen, fällt der 18-Jährigen manchmal noch schwer, ob in Songwriting-Sessions oder dann, wenn sie zum ersten Mal auf neue Bekanntschaften trifft. Ab und zu vergisst sie beim Songwriting aber auch, wie viele Menschen ein Lied – und damit ihre Gefühle – am Ende hören werden: „Dann wirkt alles weniger ,real’”. Wirklich öffnen kann sich bülow nur gegenüber ihren engsten Freunden, das merken wir auch im Interview – gleich bei der ersten Frage: Wenn’s um Rat geht, ob Liebe, Job oder eben doch die kleinen Probleme, wendet sie sich an ihre beste Freundin Elise, die mittlerweile genau wie bülow von Holland nach Toronto gezogen ist. „Elise ist sehr sozial, sie ist total kontaktfreudig und war von Anfang an für mich da. Ihr ist egal, was andere Menschen von ihr denken und das halte ich für sehr inspirierend.” Aktuellen Boy-Trouble haben die beiden gerade nicht zu besprechen – bülow ist Single – aber sicher geht’s im Gespräch unter Besties ja auch mal um die Typen, die bülows Songs inspiriert haben: „Ich stehe auf große, hübsche und dunkle Typen.” Auf Tinder müsste das erste Foto aber ein gutes Selfie oder zumindest ein Bild von ihnen selbst sein, sonst wische ich direkt nach links”, lacht sie ins Telefon. Bülow hat klare Vorstellungen, ob für Boys, auf der Bühne oder für ihr Leben backstage. „Damaged”, wie der Titel ihrer ersten EPs, wirkt das alles nicht. Eher wie vielversprechende Gegensätze: Ihre softe Stimme passt nicht zu den harten Beats, ihr Tomboy-Style nicht zur bunten Comic-Cover-Art, die romantischen Themen nicht zur coolen Attitude. Bülow steht in der berühmten Mitte, zwischen den Stühlen, wie das ein Leben aus vielen Puzzleteilen nur fordern kann. Aber in sich selbst wirkt sie dann doch sicher – und trägt das in allen Facetten nach außen. Und am Ende hört sich das doch nach der schönsten Love-Story after all an, doesn’t it?

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Foto: Justin Alexis

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