Petite Meller: Skurriler Jazzy Pop

Ein bisschen französisch, ein bisschen verrückt, ein bisschen zu viel Rouge: Petite Meller ist eine dieser Musikerinnen, die als Gesamtkunstwerk daherkommen. Wie wir sie finden? Irgendwie skurril, irgendwie merkwürdig, irgendwie gut. Wir haben mit der schrillen Blondine im Interview über ihre Musik, ihre Clips und ihre Leidenschaft für Psychoanalyse gesprochen.

Geboren in Paris, eine Jugend in Tel Aviv, später dann New York: Wo fühlst du dich eigentlich zu Hause?
Irgendwie vermitteln mir meine Musikvideos immer ein Stück Zuhause. Jedes von ihnen bringt mich in eine Szenerie meiner Kindheit zurück. Zu meinem Clip „Backpack“ haben mich die Ferien mit meinen Großeltern in Südfrankreich inspiriert. Die afrikanischen Sounds und Beats, die ich als Kind so gerne gehört habe und die mich immer noch begleiten, spielen in meinem neuen Musikvideo zu „Baby Love“ eine große Rolle. So begebe ich mich künstlerisch ständig auf eine Reise nach Hause, ohne mich räumlich festzulegen.

Was fasziniert dich denn an afrikanischer Musik?
Als Kind war ich sehr inspiriert von den Platten von Fela Kuti, Ladysmith Black Mambazo und dem „Graceland“-Album von Paul Simon. Die Kombination aus diesen antreibenden Rhythmen, jazzigen Melodien und französischen Chansons ist im Prinzip das Genre, das ich selbst Le Nouveau Jazzy Pop nenne.

In deinem neuen Video hast du mit afrikanischen Tieren gedreht und wirst sogar von einer Giraffe geküsst. Gab es da Komplikationen?
Na ja, die Flamingos hingen im Treibsand ab. Die Komplikationen kann man sich ja vorstellen… Und für die Kussszene haben wir Stunden damit verbracht, die weibliche Giraffe davon zu überzeugen, mich zu küssen. Ohne Erfolg. Dann sind wir zur männlichen Giraffe gewechselt, die eine unfassbar lange Zunge hatte, und nach einer Minute hat sie mich schon komplett abgeleckt.

Wann können wir das Album zur Single erwarten?
Es ist so gut wie fertig, ich bin gerade beim letzten Feinschliff. Ich würde sagen, Anfang nächsten Jahres ist es so weit. Und ihr dürft auch noch einige verrückte Videos erwarten!

Du spielst mit einem subtilen Sex Appeal irgendwo zwischen Lolita und Elfe. Absicht? Ich sehe mich selbst eigentlich gar nicht als eine sexy Person. Ich glaube, die meisten Leute halten mich eher für eine Art Spinner, um ehrlich zu sein. Aber ich spiele gerne mit absurden Situationen und Fantasien. In „Backpack“ geht es zum Beispiel um die weibliche Erfahrung, Sexualität zum ersten Mal zu entdecken.

Dein Styling ist sehr extravagant. Ist das dein Look für die Bühne oder läufst du auch privat so rum?
Ich bin so, seit ich in der Schule war. Das sind keine skandalösen Kostüme, die schockieren sollen, sondern tatsächlich das Make-up und die Outfits, mit denen ich auch zur Uni oder zum Doktor gehe. Ich verstecke dabei gerne kleine Elemente in meinem Styling wie zum Beispiel einen Gipsarm, der die Fähigkeit zur Heilung symbolisieren soll.

Du kreierst mit deinen Videos prägnante visuelle Welten zu deinen Songs und bringst sie damit auf eine andere Ebene. Würdest du das auch gerne mal mit einem Song von einem anderen Künstler machen?
Das hab ich sogar schon. Ich habe den Song „Eisbär“ von Grauzone mal adaptiert. Daraus ist ein Feature entstanden über die Unfähigkeit zu weinen: gefrorene Situationen, inspiriert von Tarkowskis filmischer Welt… Das Video haben wir übrigens in München gedreht.

Es gibt von dir einen Kurzfilm, in dem du dich quasi selbst interviewst und Assoziationen zwischen bestimmten Begriffen herstellst. Auf „Frauen“ antwortest du „Hysterie“. Bist du hysterisch?
Ich studiere Lacans Philosophie und der sagt, alle Männer seien obsessiv und alle Frauen hysterisch. Dem stimme ich zu. Bei „Baby Love“ lässt sich auch eine Hommage an die Brigitte-Bardot-Szene aus „… und immer lockt das Weib“ finden, in der sie in einer Art hysterische Trance ihren Schmerz wegtanzt.

Du beschäftigst dich also mit Psychoanalyse. Wen hättest du denn gerne mal auf deiner Couch und was würdest du ihn oder sie fragen?
Gute Frage! Ich würde mir Walt Disney aussuchen. Mit Donald Duck im Kopf aufzuwachsen muss ein ziemlich großes Trauma sein.

Facebook: Petite Meller

https://youtube.com/watch?v=z3IvQHdvn8k

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