New York: Low Budget Guide

New York ist die Stadt der Superlative, das Mekka für Kunst-, Mode- und Design-Liebhaber. Die Weltstadt an der Ostküste inspiriert, polarisiert und ist dabei vor allem eines: unglaublich teuer! Dass das auch anders geht, beweist unser New York Low Budget Guide . Denn wie so oft gilt auch hier: gewusst wie!

 

Spätestens seit Lena Dunham und ihrer Erfolgsserie „Girls“ ist New York wieder die Stadt der Stunde. Während „Sex & the City die Weltmetropole noch als Luxus-Mekka der Reichen und Schönen zelebrierte und Manhattan zur zentralen Schaubühne erhob, dreht sich in „Girls“ alles um die aufstrebende, junge Kreativszene und das ganz normale Leben in dieser wunderbaren Stadt. Und zwar mit all seinen Höhen und Tiefen – zu denen eben ab und an auch eine leere Brieftasche zählt.

Mit einem ganz neuen Bild vom amerikanischen Traum im Gepäck machten wir uns also auf den Weg in die große Stadt, um vor allem mit einem Klischee mal gehörig aufzuräumen: New York lohne sich nur mit dem nötigen Kleingeld. Denn als uns die Stadt an einem spätsommerlichen Nachmittag im September am John F. Kennedy Airport in Empfang nimmt, haben wir von einem ganz klar zu wenig: Money. Dafür allerdings den Kopf voll verrückter Ideen und jede Menge Zeit. Natürlich stimmt das nicht ganz und selbstverständlich wurde vor Anbruch der Reise jeder noch so erdenkliche Cent zusammengespart – in der sicheren Annahme allerdings, dass das hinten und vorne niemals reichen würde. Doch zu unserer eigenen Überraschung sind wir alles andere als pleite vom Abenteuer New York in die Heimat zurückgekehrt und das war dann doch irgendwie gar nicht so schwer.

Die richtige Jahreszeit

Zuallererst gilt es darum erst einmal, die richtige Jahreszeit auszuwählen, denn so vielseitig wie New Yorks kultureller Horizont sind auch seine Wetterextreme: Von eiskalten Wintern bis zu schonungslos tropisch schwülen Sommern hat die Stadt an Amerikas Ostküste alles in petto. Frühjahr und Spätsommer sind deswegen zweifelsohne die besten Gelegenheiten, um die Metropole möglichst Geldbeutel schonend zu erkunden. Nicht nur einmalig, sondern auch noch völlig umsonst ist definitiv New Yorks berauschende und mitreißende Wirkung, die sich am besten bei spontanen Spaziergängen durch die Straßen erleben lässt. Wie hat der Dichter Walt Whitman bereits so schön gesagt: „Give me such shows – give me the streets of Manhattan.“

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Die passende Unterkunft

Um möglichst zuträglich unterzukommen, hält man sich bei der Suche nach der passenden Unterkunft am besten an die „abgelegeneren“ Gebiete Brooklyns, idealerweise entlang des L-Train, der im Fünfminutentakt direkt nach Manhattan fährt. Airbnb ist auch für New York auf Low Budget Niveau die erste und beste Anlaufstelle. Die meisten Anbieter sind verhandlungsbereit und gewähren gerne einen Rabatt. Bushwick, das florierende Künstlerviertel an der Grenze zu Williamsburg, bietet hierfür jede Menge Potenzial, ohne dabei bereits so überlaufen zu sein wie sein hipper Nachbar.

Von dort gelangt man mit der Subway, die in NY das perfekte Fortbewegungsmittel ist, schnell zum Herzen Manhattans: dem Union Square (Subway Station 14th Street/Union Square). Hier befindet sich nicht nur das berühmte Decker Building, das in den späteren Jahren Warhols Hochglanz-Kunstkonzern „The Factory“ beherbergte, sondern dient auch als Grenze zwischen Downtown und Midtown und entlässt den Besucher in alle Himmelsrichtungen – man muss sich eigentlich nur noch treiben lassen. Dabei ist es nicht schwer, sich in Manhattan zurechtzufinden: Die Avenues verlaufen rasterartig von Norden nach Süden und die Streets von Ost nach West und sind dabei nachvollziehbar nummeriert oder benannt.

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Das beste Essen

Für alle, die zuvor eine Stärkung benötigen: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite erstreckt sich „Whole Foods“, der wohl beliebteste Bio-Supermarkt der Stadt. Dort gibt es neben einem täglich wechselnden warmen Buffet eine Salatbar, in der man am liebsten baden möchte – ernsthaft. Bei geschicktem Drauflosschaufeln – man zahlt nach Gewicht – ist das nicht nur eine leckere und gesunde, sondern vor allem preiswerte Alternative zum Essengehen. Absoluter Bonus ist außerdem die Lage. Bei gutem Wetter genießt man seine Ausbeute wie der echte New Yorker nämlich am besten auf dem Union Square inmitten von Hare-Krishna-Mantras, Schachspielern, Breakdancern, Studenten, Bankern, Gauklern und sonstigen kuriosen Gestalten. Ebenfalls zu empfehlen: der Farmer’s Market am Union Square jeden Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag und der Madison Square Eats Market im Mai und September (mehr dazu auf urbanspacenyc.com), wo es saisonale Produkte und leckere Snacks für kleines Geld zu kaufen gibt.

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Low Budget Kultur

Sollte man des bunten Treibenlassens irgendwann überdrüssig werden (beinahe ausgeschlossen), hat New York selbstverständlich noch jede Menge kultureller Schätze zu bieten, die nicht selten zu bestimmten Zeiten gratis zu bewundern sind (dann natürlich dementsprechend gut besucht, aber wenn man Eintrittsgelder von jeweils rund 20 Dollar sparen kann, sollte man das tun). Das „Museum of Modern Art“ („MoMA“) öffnet seine Tore beispielsweise am Freitagnachmittag umsonst. Einige Museen wie das „Metropolitan Museum of Art“ geben von vornherein nur eine Empfehlung, was der Besucher bezahlen sollte. Die Entscheidung, ob 1 oder 20 Dollar, bleibt einem dann selbst überlassen. Wer die Zeit hat, sollte nicht allein deswegen unbedingt mehrfach vorbeischauen, sondern auch weil der Umfang der ausgestellten Exponate an einem Tag unmöglich zu schaffen ist. Weiterer Bonus: Das Museum verfügt über eine fantastische Dachterrasse mit Panoramablick über den Central Park und die Stadt.

Zu jeder Tageszeit völlig umsonst sind hingegen die Ausstellungen in den angesagten Galerien im Westen von Chelsea (20er-Streets zwischen 9th und 10th Ave.), zu denen unter anderem die „Gagosian Gallery“ und „Mary Boone“ zählen, die schon Instanzen wie Jean-Michel Basquiat entdeckten und förderten. Am Donnerstagabend wird hier oft zu Vernissagen geladen, die natürlich frei sind und zu denen nicht selten gratis Wein gereicht wird.

TV-Shows live erleben

Wer sich mehr für Trash-TV als für Kunst interessiert, sollte die Gelegenheit nutzen, sich auf eine der zahlreichen Comedy- und Daily-TV-Shows, die in New York produziert werden, zu schleusen. Der Eintritt ist kostenlos. Einzige Voraussetzung: Man muss sich vorher via E-Mail registrieren und dann unbedingt pünktlich vor Ort sein, um seine Karten abzuholen. Nichts für Eilige, denn das Prozedere entpuppt sich schnell zum Ganztags-Programm. Es kann sich aber wirklich lohnen (wir haben doch bei der Gelegenheit tatsächlich Bill Clinton getroffen).

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Die besten Shopping-Adressen

Bei so viel Kultur darf natürlich eines nicht aus den Augen verloren werden: Shopping. Denn so ganz ohne vorsätzlich mit Geld um sich zu werfen, geht es hier dann doch nicht. Um das aber möglichst ohne böses Erwachen zu zelebrieren, hält man sich am besten an die zig Vintage-Stores in Brooklyn und Lower Manhattan oder die vielen Flohmärkte der Stadt (brooklynflea.com), die allerdings mehr Trödel als Kleidung anbieten. Auch unbedingt einen Besuch wert ist das „Century 21st“ am Ground Zero, ein wahrer Outlet-Tempel auf mehreren Etagen. Hier tummelt man sich zusammen mit aussortierten amerikanischen Designern wie Calvin Klein, Marc Jacobs & Co. Doch auch die europäische Fraktion ist vertreten und hin und wieder findet man sogar eines dieser grandiosen Schnäppchen, die unser Herz vor Glück heute noch aus der Brust hüpfen lassen. „Clothes that are worth fighting for“ lautet der Leitspruch des vor rund 50 Jahren gegründeten Warenhauses und ist gleichzeitig Programm. Im Laufe des Tages sieht das Geschäft demnach sehr wüst aus, am besten also gleich morgens hier herkommen, dann klappt’s vielleicht mit dem Super-Schnäppchen.

Und wenn nicht, ist das auch nicht so schlimm, denn wie sagte Charles Bukowski einst so treffend: „In New York you’ve got to have all the luck.“ Gut, dass andere Schnäppchen mehr Wissen als Glück bedürfen:

Weitere New York Low Budget Hot Spots:

Vintage Stores
Housing Works, 130 Crosby Street (nahe Jersey St.)
Ladies and Gentlemen, 338 East 11th Street (zwischen First Ave. und Second Ave.)
No Relation, 204 First Avenue (zwischen East 12 St. und 13th St.)
Mr. Throwback, 428 East 9th Street (nahe Ave. A)

Brooklyn Botanic Garden
Hanami in New York: Jedes Jahr im April zur Kirschblütenzeit gibt es hier ganz für umsonst ein schönes Panorama für das Auge und die Handy-Linse.
990 Washington Avenue, Brooklyn

Summer Stage Festival
Von Anfang Juni bis Ende August finden auf dem Rumsey Playfield im Central Park hochkarätige, aber kostenfreie Konzerte statt.
Parkeingang: 69th Street/5th Avenue
centralpark.com

Summerscreen
Jeden Mittwoch im Juli und August werden im McCarren Park Pool kostenlos Filme gezeigt. Einlass ist ab 18 Uhr. Live-Musik und Drinks bespaßen die Crowd bis zum Filmstart bei Sonnenuntergang.
Parkeingang: North 12th Street/Bedford Avenue, Brooklyn
summerscreen.org

Yoga to the People
„Yoga für alle“ ist hier das Credo. Die Bezahlung der Kurse erfolgt via Spende (ab 1 Dollar, empfohlen 10 Dolllar). Wer mal knapp bei Kasse ist, kann also trotzdem am Kurs teilnehmen.
3rd Avenue/Astor Place, East Village
211N/11th Street, Floor 2, Brooklyn
Weitere Studios unter yogatothepeople.com/new-york

Handsome Dan’s Candy Stand
Eine bunte Tüte für zwischendurch? Bei „Handsome Dan“ gibt es die leckersten Schleckereien.
186 1st Avenue, East Village
218 Bedford Avenue (in der Mini Mall), Brooklyn
handsomedansstand.com

Staten Island Ferry
Einmal for free an der Freiheitsstatue vorbeischippern: Die Fähre kann ohne Aufpreis mit dem ganz normalen Metro-Ticket genutzt werden und fährt alle 15 Minuten, ab 23:00 jede Stunde.

Coney Island
Kilometerlanger Sandstrand und Vergnügungspark-Requisiten aus längst vergessenen Tagen sorgen für ein nostalgisch-romantisches Ambiente. Das Get-away ist die Endstation der Metro-Linien D, F, N und Q und mit der regulären Metrocard zu erreichen.

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