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Fashion in Tunesien: Wie die neue Generation die Modewelt revolutioniert

Wir waren auf der Fashion Week Tunis unterwegs und haben die Menschen getroffen, die die Modewelt in Tunesien bewegen und antreiben.

FOTO: Tunesiens Blogger-Girls. Alle Fotos von JCS

Die tunesische Modeindustrie leidet. Seit der Revolution, für die junge Tunesier auf der Avenue Bourguiba erfolgreich gegen den Diktator Ben Ali und sein Regime demonstriert haben, hört man selten Positives über das Land: Revolution, Terrorismus, Anschläge und Gefahr sind die Stichwörter, die die westlichen Medien mit Tunesien verbinden. Dank einer neuen Generation von hochmotivierten Kreativköpfen und ihren Ideen, soll sich das Image des Landes aber bald ändern. Trotz Hitze, trotz fehlender Infrastruktur, trotz Terrorismus. Die Fashion Week Tunis ist eine davon. Wir waren fünf Tage im Land der Jasminblumen unterwegs und haben uns zwischen den Modeschauen, mitten in der Kulisse von Karthago, bei Brunches im hippen Restaurant „Baboucha“ und während Ausflügen in fancy Viertel wie La Marsa mit den Fashion Insidern Tunesiens unterhalten.

SEYF DEAN

Sein Name ist Seyf. Seyf Dean „wie James Dean“. Er ist halb Tunesier und halb Taiwaner und hat schon immer davon geträumt in der Fashionbranche zu arbeiten. Dafür hat Seyf sein Studium an der ESMOD Tunesien absolviert und ist danach für ein Jahr nach Pekin gegangen. Während wir auf der sonnendurchfluteten Terrasse im Schatten einer Palme eine Zigarette rauchen erzählt Seyf: „Ich habe erst Kleidung konfektioniert, dann habe ich angefangen nebenbei als Stylist zu arbeiten, um dann, nach meiner Rückkehr von Pekin, mein eigenes Label zu gründen: Narciso. Während ich die letzen drei Jahre versucht habe, mein Label aufzubauen, habe ich gemerkt, dass es gar keinen medialen Support in Tunesien gibt, der Designern ermöglicht, ihre Arbeit nach außen zu tragen.“ Seyf nahm die Dinge in die Hand und gründete, zusammen mit seiner Freundin, das fehlende Medium: das Magazin FFDesigner.

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Zusammen mit Hend Jebali, mit der er seit 10 Jahren zusammen ist, revolutioniert der Pharell-Doppelgänger die Fashion Szene in Tunesien. Dank Instagram sind die beiden auch international bekannt und als Unternehmerpaar konzipieren sie alles, was das „FFDesigner“ zu bieten hat: FF-News, FF-Beauty, FF-Attitude! Das Magazin sieht aus, wie ein Ableger der VOGUE, mit tunesischen Wurzeln: tunesische Brands, Blogger, Reportagen und Editorials, die dem Leser den schönsten Einblick in eine moderne Kultur des Landes verschafft.

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SALAH BARKA

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Der unkonventionelle Stylist Salah Barka

Man erkennt ihn schon von Weitem. Er spaziert mit seinen 1,90m an uns vorbei und wird sofort von allen umgarnt. Salah hat seine Modekarriere im Backstage Bereich der Fashion Week angefangen. Er sorgte dafür, dass die Models mit dem perfektem Outfit auf den Laufsteg gehen. Er arbeitete unter anderem als Stylist und als Kostümdesigner, hat ein eigenes Label namens Oshy gegründet und meistert gekonnt mehrere Projekte auf einmal. Neben seinem Job als Dozent an der ESMOD Tunesiens arbeitet er gerade an einer Fernsehsendung über Fashion für das TV-Kanal Dubai One.

FETHIA SABRINA FARHANI

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Fethia zeigt uns ihr Tattoo. Es soll symbolisch sein für ihre Attitude: „Be yourself, even when it means to be different!“

Die Medizinstudentin und Bloggerin Fethia Sabrina Farhani kommt viel in der Welt herum. Sie schreibt über Reisen, Lifestyle und Mode auf ihrem Blog vitalunaspirit.com. Es passiert nichts Spannendes in Tunesien, ohne dass Fethia nicht darüber berichtet: „Vor der Revolution gab es Einschränkungen. Diese machten sich hauptsächlich in anderen, nicht so kreativen Bereichen bemerkbar, aber trotzdem hat es einen Boom danach gegeben. Es gab so viele junge Menschen, die dann Lust hatten etwas zu verändern, zu bewegen. Wir hatten irgendwann kein Bock mehr auf die traditionelle tunesische Mode und wollten etwas frisches, neues und modernes sehen!“ erzählt Fethia. Sie selbst trägt zur positiven Entwicklung des Landes bei, als Medizinerin und als Bloggerin. „Wenn alles gut geht, schafft es Tunesien auch mal weltweit positiv aufzufallen. Aber mir ist auch bewusst, dass uns Tunesier dafür noch das Durchhaltevermögen fehlt. Designer können nicht alleine vorankommen, sie brauchen funktionierende Produktionsstätten, Assistenten, Shops etc. Ich bin mir sicher, dass wir irgendwann dahin kommen. Aber es wird ein bisschen dauern. Inch Allah!“ Fethia bleibt optimistisch, sie liebt ihr Land, die Sonne, das Essen, das Meer, die tollen Spots und die interessanten Menschen, sagt sie mit einem Lächeln, während sie ihren BH richtet, ihre Sonnenbrille aufzieht und ein paar Moves für ein Instagram Post vortanzt. Später treffen wir sie wieder auf dem Laufsteg. Diesmal ist sie als Model unterwegs.

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Fethia für die neue Kampagne von Lyoum.

Für das Label Lyoum, das von einem Franco-Tunesier Sofiène und der Französin Claire gegründet wurde, steht Fethia manchmal vor der Kamera (siehe Bild). Sofiène hat jahrelang als Kommunikationsberater in Paris gearbeitet und hatte irgendwann keine Lust mehr. Die Revolution war die Chance auf ein neues Leben: Mit seiner Frau Claire und den beiden Kinder ist er nach Tunesien gezogen und hat, zusammen mit Claire, das Label Lyoum ins Leben gerufen. Was am Anfang als Kindermarke gedacht war entwickelte sich in den letzten drei Jahren zu einer tunesischen Institution. Ihr Erfolgsrezept? Tradition und Modernität in Kollektionen zu kombinieren, die in Tunesien produziert und über einen Online Shop und die richtige PR auch international vermarktet werden: „Vor der Revolution wäre es schwieriger gewesen, ein eigenes Label zu gründen. Vor allem mit unserem sehr modernen Ansatz. Es wäre vom Staat boykottiert worden und hätte nie länger als ein paar Monate gehalten.“ erzählt Sofiène bei unserem Gespräch. Witzige Botschaften wie „Wallah, we can!“ (für einen guten Zweck) oder „Cobain loved Fallafel“ zieren die Baumwoll-Pullis und T-Shirts von Lyoum. Der Name selbst steht für  „heute“ oder „jetzt“ und ist der Beweis dafür, das tunesische Mode auch „up-to-date“ und sein kann.


Der autoritäre Ben Ali galt lange Zeit als Garant für die Stabilität des Landes. Dabei unterdrückte er 24 Jahre lang sein eigenes Volk und brachte viele Jugendlichen dazu, aus Verzweiflung nach Europa zu fliehen. Zwar trauen sich deutsche Touristen, auch fünf Jahre nach der Revolution noch nicht die gewohnte „all-inclusive“ Reise nach Djerba zu buchen, dafür kommen die „Jugendlichen“ wieder, die damals ihre Heimat verlassen mussten, um „frei“ leben zu können. Menschen wie Seyf, Hend, Fethia, Sofiène und Salah sind die Vorreiter einer Bewegung, die Tunesien endlich in die richtige Richtung lenkt. Im Vergleich zu ihren Eltern, haben sie sich von den Zwängen des Staates befreit und ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. Sie hoffen nicht nur auf eine bessere Zunkft. Sie gestalten sie mit.

Mehr Eindrücke der Fashion Week Tunis und deren Contributors findet ihr hier:

FASHION WEEK TUNIS Web: fashionweektunis.com

FFDESIGNER MAG Web: ffdesignermag.com
Facebook: FFDesignermag
Instagram: @ffdesignermag
Seyf: @seyfdean
Hend: @hendjebali

SALAH BARKA
Facebook: Oshy-by-Salah-Barka
Instagram: @salahbarka

VITA LUNA SPIRIT Web: vitalunaspirit.com
Facebook: 
vitalunaspirit
Instagram: 
@vitalunaspirit

LYOUM Web: lyoum.fr/en
Facebook: lyoumconcept
Instagram: @lyoummm

Joanna Catherine Schröder
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