Sam Cannon: Art in Motion

GIFs sind immer noch der Underdog der Art Scene – doch wie künstlerisch man mit ihnen und weiblichen Körpern spielen kann, zeigt Motion Artist Sam Cannon in ihren kurzen Clips.

Foto: Selbstportrait by Sam Cannon

Digitale Kunst wird meist mit einem Lächeln und dem Gedanken „Das kann ja wohl jeder“ abgetan. Und GIFs bringen uns zum Lachen oder Schmunzeln aber selten betrachten wir sie als Artwork. Doch nun muss Schluss damit sein – der beste Beweis dafür sind die bewegten Kunstwerke von der amerikanischen Videokünstlerin Sam Cannon. 15 Sekunden in Endlosschleife, mehr braucht es nicht um sich ihre kurzen Werke anzuschauen. In ihrer neuesten Reihe setzt sie weibliche Körperteile neu zusammen.  Sie selbst als Frau spielt dabei die größte Rolle. Sam kreiert eine Manipulation aus Raum, Zeit und weiblichen Formen. Ihre hypnotisierenden GIFs zeigen euch die Sichtweise einer Frau auf den Körper anderer Frauen – und auch auf den eigenen Körper. Denn oft steht sie selbst vor der Kamera. Ihre Erfahrungen teilt sie mit der Welt – und die teilt ihre Arbeiten. Mittlerweile klopfen auch Labels wie Banana Republic an. Zuletzt hatte die 24-jährige Sam eine Ausstellung in Berlin beim EyeEm Photography Festival. Was noch so geplant ist, verrät sie im Interview.

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Wir haben Sam Cannon für #girlsforblonde gebeten, ein paar Fragen für BLONDE zu beantworten. Was dabei herauskam, ist ein ganz neues Körpergefühl.

Was machst du?
Ich bin ein „Motion Artist“ und kreiere hauptsächlich GIFs und ‚Dauerschleifen-Videos‘. Ich möchte den Raum zwischen Fotografie und Video erforschen und Bilder erstellen, die dich beim Erkunden deiner Feeds kurz aufhören lassen zu scrollen.

Wie funktioniert deine Arbeit und was ist der Unterschied zwischen digitaler und analoger Kunst?
Ich denke, dass digitale und analoge Kunst dasselbe ist – es sind nur unterschiedliche Werkzeuge um Bilder zu machen. Ich interessiere mich mehr für den Unterschied wie wir diese Kunst erfahren, also Bilder auf dem Bildschirm versus Bilder an der Wand. Meine Faszination an der Bewegung entsteht daraus, dass ich versuche digitale Kunst zu bauen die existiert und sich vorwärts in der Zeit bewegt, ob mit oder ohne Publikum. Die Kunst existiert nicht nur, um beobachtet zu werden. Sie hat eine Handlung und eine Absicht. Meine Arbeiten bilden oft manipulierte weibliche Körper ab. Das hat angefangen als ich als „Retoucher“ gearbeitet habe. Ich wurde durch die Art und Weise fasziniert, wie Frauenkörper besonders der digitalen Verstärkung ausgesetzt waren. Ich wollte die gleichen Werkzeuge verwenden, die häufig genutzt werden um Taillen zu schrumpfen oder Brüste zu vergrößern und habe stattdessen Figuren erschaffen, die ich viel interessanter fand. Viele meiner Arbeiten sind auch eine Art Selbstportrait – denn der weibliche Körper, den man oft sieht, ist mein eigener. Wie viele andere Künstler stelle ich mich oft selbst vor die Kamera, da ich immer verfügbar bin. Viele der digitalen Collagen, die ich mache, erfordern wirklich präzise Platzierungen von Körpern und es ist leichter mich selbst zu lenken, als andere. Ich liebe es mit anderen Models zusammenzuarbeiten, aber es ist eine wirklich erstaunliche Erfahrung immer selbst ein Teil des gesamten Prozesses zu sein. Ich habe dadurch meinen eigenen Körper neu entdeckt und gelernt ihn mehr zu schätzen.

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Hobby oder Welt erobern?
Ich hoffe, meine Ziele werden Schritt halten. Ich will ständig etwas erschaffen und weiterentwickeln und denke ein Künstler zu sein erlaubt dir deine wachsenden Gedanken zu dokumentieren und durch die Jahre voranzubringen. Gerade jetzt ist mein Hauptziel, eine Grundlage zu schaffen, auf der ich Kunst für mich und für kommerzielle Zwecke erschaffen kann. Ich muss beides tun um zu überleben und glücklich zu sein. Ich bin mir nicht sicher, ob ich damit die Welt erobern kann aber meine Kunst hat definitiv meine eigene Welt bereits übernommen.

Welche Projekte stehen an?
Aktuell bin ich gerade im Kunstzentrum Mana Contemporary in New Jersey. Ich nutze die Zeit, meine Arbeit offline eher in der physischen als in der digitalen Welt zu erforschen. Ich habe angefangen mit Skulpturen zu experimentieren, von denen ich total begeistert bin. Es ist cool eine Pause von der Kunst zu machen, die nur auf dem Bildschirm entsteht.

Wie würdest Du deinen Stil beschreiben?
Mein Stil ist „pretty minimal“. Wenn ich arbeite, dann eigentlich immer in schwarzen Hosen und schwarzem Top. Wenn ich ausgehe, trage ich dasselbe aber füge noch High Heels dazu und spiele mit meinem Make-Up. Ich bin ziemlich gut darin, das gleiche Outfit prinzipiell immer und immer wieder zu kaufen aber ich weiß was ich mag und worin ich mich am wohlsten fühle.

Was ist Mode für dich?
Mode ist die Entscheidung sich selbst physisch zu präsentieren. Für mich geht es dabei nicht nur um Klamotten. Ich denke nicht, dass das meiste meines Selbstausdrucks durch meine Kleidung kommt. Ich liebe es Leuten zuzusehen, die ihre Haare machen und sich schminken und wahrscheinlich liebe ich es mehr, als das was sie anhaben. Mode ist für mich eine Frage der Einstellung und des Selbstvertrauens.

Was magst Du an dir am liebsten?
Ich liebe meine Haare sehr. Nicht weil ich denke sie sehen erstaunlich gut aus (sie sind irgendwas zwischen lockig und kraus, was nicht einfach zu stylen und im Schach zu halten ist), sondern weil ich sie so hart bekämpft habe, als ich jünger war. Ich habe sie geglättet und als bedauerlichen Pferdeschwanz zurückgeklatscht. Jetzt habe ich gelernt sie einfach zu lieben. Es sind die gleichen Haare, die meine Mutter hat und ich hoffe ich kann meine Frisur mindestens halb so gut rocken wie sie.

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Definiere „Frau sein“.
Als ich aufwuchs, wurde mir beigebracht eine Frau zu sein heißt, ich würde mit einer Menge Schmerz und Unglück konfrontiert werden, basierend auf meinem Geschlecht. Mir wurde gesagt, dass ich nicht allein durch die Straßen in der Nacht gehen sollte, und dass Männer versuchen würden, Vorteile aus mir zu ziehen. Diese Lektionen kamen von den Frauen in meinem Leben, die Strapazen ertrugen die ich mir kaum vorstellen konnte, aber glücklicherweise bauten ihre Stärke und Liebe ein besseres Leben für mich. Meine Identität wurde nicht durch Angst oder Gefühle der Ungleichheit zurückgehalten. Ich glaube nicht, dass ich definieren kann was „Frau sein“ bedeutet, da es so viele verschiedene Erfahrungen gibt, aber ich bin stolz eine Frau zu sein und möchte dass meine Arbeit diese Tatsache feiert.

Welche sind deine persönlichen Dämonen?
Ich versuche mich selbst daran zu erinnern mal Pausen zu machen und aufzutanken. Es ist schwer ein Vollzeit-Kreativer zu sein, vor allem in der Online-Welt. Es gibt einen konstanten Druck etwas Neues zu verschaffen und meine Arbeit zu teilen. Ich werde wirklich deprimiert, wenn ich nicht in ein paar Tagen neue Arbeiten gemacht habe oder wenn das Stück, an dem ich arbeite nicht so wird, wie ich es gehofft habe. Es ist schwierig, sich selbst die Erlaubnis zu geben, wieder aufzuladen und sich dann nicht während der Pausenzeit schuldig zu fühlen. Ich arbeite immer noch daran, wie man mit der Situation umgeht, aber ich finde, sobald mein Computer und mein Handy mal aus bleiben, ist das schon hilfreich.

Was ist deine Botschaft an die Frauen da draußen?
Sei du selbst und verlass dich nicht darauf, dass andere dich glücklich machen müssen.

Alle GIFs by Sam Cannon. Mehr unter sam-cannon.com // @samcannon

 

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