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Designerin Tosca Wyss aus Berlin

Zeig mir deine Wohnung und ich sag dir, wer du bist. Wir stellen euch Modemenschen, Freunde und Wegbegleiter mitsamt ihrer vier Wände vor. Design oder Selfmade? Verspielt oder clean? Souterrain oder Dachterrasse? Wir schauen uns um und nehmen euch mit: BLONDE zu Besuch bei … Tosca Wyss.

Es ist früher Abend, die Designerin Tosca Wyss steht fröhlich lachend im Rahmen der schweren Holzflügeltüren zu ihrer Berliner Altbau Wohnung und heißt uns willkommen während es draußen allmählich dunkel wird. Ursprünglich aus der Schweiz ist sie nach kurzen Abstechern über Paris und New York vor vier Jahren für einen Master im Fach Modedesign an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin gelandet. Heute wohnt sie in Kreuzberg und arbeitet in Neukölln. Auf 65 Quadratmetern hat sie sich gemeinsam mit ihrem Freund im angesagten Wrangelkiez eine Oase geschaffen, die sie mittlerweile Zuhause nennt – angereichert mit Fund- und Erinnerungsstücken vom Flohmarkt und ihren Reisen durch Europa, ihrem Studium in der Schweiz und ihrer Zeit in Paris und New York. Letzteres habe sie besonders geprägt. Gut sichtbar zieren ihre sonst weiß gehaltenen Wände Kalenderblätter des mittlerweile verstorbenen Fotografen David Armstrong, mit dem sie im Rahmen eines Praktikums in der amerikanischen Metropole zusammenarbeiten durfte. Auch wenn sie sich bewusst gegen ein Leben in einer dieser pulsierenden Modestädte entschieden hat, zehrt sie von ihren Erinnerungen. Zum Arbeiten lässt sie diese aber gerne mal hinter sich und fährt in ihr am Hermannplatz in einem alten Industriehinterhof gelegenes Atelier. Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut, gingen hier 1945 die ersten Ausgaben der Tageszeitung „Tägliche Rundschau“ durch die Druckerpresse. Heute beherbergt die fünfgeschossige Anlage Berlins Kreativszene und dient als Lager-, Arbeits- und Produktionsstätte. So auch für Tosca, die sich vor etwas mehr als einem Jahr mit ihrem Label für Männermode, „Blank Etiquette“, selbstständig gemacht. Wir haben die Schweizer Frohnatur auf ein Glas Wein getroffen und mal genauer hingeschaut und nachgefragt.

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Du kommst eigentlich aus der Schweiz, hast in Basel studiert, in Paris und New York gearbeitet und schließlich in Berlin Deinen Master absolviert. Wann und warum hast Du dann entschieden, Dich mit Deinem eigenen Label selbstständig zu machen?

Tatsächlich relativ schnell. Ich habe nach dem Master noch kurz gearbeitet und dann vor einem Jahr, im Januar 2015, beschlossen, mein eigenes Ding zu machen. Ich wusste eigentlich immer, dass ich mich selbstständig machen möchte, spätestens nach meinen Erfahrungen in New York und Paris. Bei großen Labels in house zu arbeiten ist nicht minder anstrengend, weil die Jobs hart umkämpft sind und in den meisten Fällen nur mit saisonalen Verträgen einhergehen. Das nervt auf Dauer.

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War von Anfang an klar, dass Du lieber Männermode machen möchtest?

Ich habe im Bachelor bereits ausschließlich Menswear gemacht. Ich finde es einfach spannender, weil ich gerne mit Details, verschiedenen Materialkombinationen und experimentellen Schnitten arbeite. Bei den Frauen geht es oft primär um Materialien, Farben und Prints. Ich mache zwar auch viele Stickereien, aber das passt auch ganz gut zu Männern – vor allem in Asien sind sie dafür sehr offen. Außerdem ist der Markt noch nicht so übersättigt. Im Bereich Womenswear gibt es bereits so viel.

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Was glaubst Du, wird es trotzdem irgendwann einmal Thema sein, doch auch Kollektionen für Frauen zu machen?

Ist es bereits (lacht)! Ich bin gerade ernsthaft am Überlegen beides zu kombinieren. Das ist natürlich naheliegend, ich bin selbst eine Frau, die sich gerne modisch kleidet und werde den Bereich immer spannend finden. Ich mag ohnehin beides gleichermaßen und finde es eigentlich sogar eher befremdlich Mode so strikt nach Geschlechtern zu trennen. Ich bin gerade dabei, mein Konzept auszubauen und eher limitierte Auflagen zu machen: Kollektionen, die sich schon noch nach Saisons richten, aber einfach überschaubarer sind. Das ließe mir Spielraum, mich auch an anderen Sachen zu probieren.

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Stichwort „Unisex“…?

Der Trend geht, siehe Brands wie Vêtements, natürlich ganz klar in diese Richtung. Ich habe aber keineswegs im Sinn Unisex-Mode machen. Es ist eher denkbar zwei separate Kollektionen zu haben, in denen sich Teile und Looks überschneiden und doppeln und die dann im Sinne der Unisex-Philosophie sicher auch von beiden Geschlechtern getragen werden können.

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Du warst im Januar gemeinsam mit Sadak, Sissi Goetze und anderen Berliner Designern in Paris, auf der Berliner Fashion Week hat man Dich allerdings noch nicht gesehen. Ist das ein Thema?

Ja und nein. Ich versuche mich erst einmal auf Sales zu konzentrieren und schaue dann, inwiefern eine Fashion Show wirklich Sinn macht. Lust hätte ich natürlich drauf. Aber auch da stellt sich die Frage, ob Berlin dann die richtige Adresse ist. Paris ist zu teuer, klar. London wäre aber auch noch eine Überlegung, oder Tokyo. Was ich an der Berliner Fashion Week allerdings toll finde, ist, dass Männer und Frauen seit jeher zur gleichen Zeit gezeigt werden.

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Das gesamte Interview findet ihr in der Blonde Print-Ausgabe 02/16.

Fotos: Paul Aidan Perry

Stephanie Johne
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