Gehört zum guten Ton: Singer und Songwriterin Joy Crookes im Interview

Joy Crookes Seele scheint älter zu sein als ihr biologisches Alter von gerade einmal 20 Jahren. Wir haben mit der Singer und Songwriterin über Generationenaustausch gesprochen. Passend, oder?

BLONDE: In deinen Liedern singst du oft über deine Familie und vor allem deine Großmutter. Was ist das Wichtigste, was sie dir beigebracht hat?
JOY CROOKES: Wahrscheinlich Freiheit und Ehrlichkeit und damit meine ich, immer mein authentisches Selbst zu sein. Sie hat in ihrem Leben viel erlebt, ist aus Ländern geflohen und hat eine Menge durchmachen müssen, ist sich dabei aber immer treu geblieben, ohne sich von dem Urteil eines anderen beeinflussen zu lassen.
Und was ist das Wichtigste, was du ihr beigebracht hast?
Ich hoffe, dazu beigetragen zu haben, dass sie mehr Stolz für ihre Herkunft empfindet, denn ich liebe meine irischen und bangladeschischen Wurzeln und kann nicht aufhören, sie zu praisen!
Wenn du bei deiner Familie zu Besuch bist, über welche Themen führt ihr die längsten Gespräche?
Wir reden über alles – meine Projekte und Aktuelles, klar. Mit meinem Vater drehen sich die Gespräche oft um das Thema Verbesserung. Nicht nur als Künstlerin, sondern auch als Person und vor allem in Bezug auf psychische Gesundheit.

Für mich ist es wichtig, diese Dinge über vergangene Generationen zu wissen, um mich selbst besser zu verstehen – Joy Crookes

Generationsübergreifende Gespräche sind nicht in allen Familien üblich. Warum sind sie für dich so wichtig?
Weil es so viele Ähnlichkeiten zwischen uns und unseren Eltern gibt, von denen man nichts wissen kann, wenn man keine Fragen stellt. Für mich ist es wichtig, diese Dinge über vergangene Generationen zu wissen, um mich selbst besser zu verstehen – es ist eine perfekte Möglichkeit, das, was in meinem Blut ist, zu kontextualisieren.
Was möchtest du deiner Generation mit auf den Weg geben?
Gerade für meine Generation, die mit Social Media aufgewachsen ist, ist es so einfach, sich ständig mit anderen zu vergleichen. Ich möchte Authentizität weitergeben. Und gerade weil die älteren Generationen so hart für unser aller Freiheit und Rechte gekämpft haben, sollten wir das Beste aus den Möglichkeiten machen, die uns gegeben wurden.
Über welche Themen sollte zwischen Millennials und älteren Generationen ein verstärkter Austausch stattfinden?
Ich denke, psychische Gesundheit ist eines dieser Themen, das die älteren Generationen nicht gerne haben, Millennials hingegen sprechen ständig darüber – nur eben untereinander. Sich mit Verwandten über die Gedankenmuster in unseren Köpfen auszutauschen ist für mich essenziell! Nur so kann man sich selbst und sie besser verstehen und schätzen lernen.

Ich habe das Gefühl, dass es beim Female Empowerment manchmal mehr darum geht, dass Frauen sich anschreien, als dass sie sich gegenseitig helfen – Joy Crookes

Female Empowerment ist dir wichtig. In welchen Situationen hast du das Gefühl, es gibt noch Verbesserungsbedarf in der Kommunikation untereinander?
Die sozialen Medien haben in meinen Augen eine extrem von Konkurrenz getriebene Generation geschaffen. Ich würde gerne sehen, dass Instagram und Co. verstärkt von Aktivist*innen für Gutes genutzt würden. Um Menschen zu vereinen und aufzuklären, anstatt ihnen zu sagen, was sie zu denken haben. Und ich habe das Gefühl, dass es beim Female Empowerment manchmal mehr darum geht, dass Frauen sich anschreien, als dass sie sich gegenseitig helfen, zu den Personen zu werden, die sie deep down sein wollen. Wir müssen einander mehr zuhören und versuchen, einander zu verstehen. Denn die Menschen sind einfach anders, weil die jeweiligen individuellen Erfahrungen jeden anders prägen und gedeihen lassen.

 

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Fühlst du einen gesellschaftlichen Wandel in Bezug auf Female Empowerment?
Ja, auf jeden Fall! Es ist eine große, positive Verschiebung merkbar. Noch mal das Stichwort soziale Medien: Die Digitalisierung hat den öf- fentlichen Diskurs leichter zugänglich gemacht, was nicht immer positiv ist, aber allein, dass wir sprechen, ist der springende Punkt. Es gibt so viele Veranstaltungen, die es Frauen ermöglichen, Gespräche zu führen, und es gibt mehr sichere Orte – on- und offline–, an denen das Teilen einzigarti- ger Erfahrungen dank Social Media möglich ist.

Foto: Sony Music

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