Lisa Vicari — Between control and chaos

„Am Ende entscheidet dann aber doch auch immer das Bauchgefühl!“

Wie entscheidet man sich für eine Rolle? Was passiert körperlich, wenn man über Stunden hinweg Hochspannung spielt? Und wie bleibt man dabei bei sich selbst? Im Gespräch gibt Lisa Vicari, die in der aktuellen Staffel der Netflix Serie Hijack eine Hauptrolle spielt, Einblicke in ihr Leben als Schauspielerin, ihre Motivation und den Umgang mit intensiven Drehtagen.

It starts with a feeling…

 BLONDE: Was hat dich dazu gebracht, Schauspielerin zu werden?

Lisa: Als mein Wunsch, Schauspielerin zu sein, zum ersten Mal aufkam, war ich noch ein Kind und konnte mir gar nicht genau vorstellen, wie die Arbeit am Set wirklich ist. Mein einziges Schlüsselloch hinter die Kulissen waren Making-ofs, die als Bonusmaterial auf manchen DVDs zu finden waren. Mich hat das Filmset schon immer fasziniert – und das ist bis heute so. Ich liebe die Teamarbeit am Set und die Welten, in die man eintauchen darf. Die Spielfreude und Faszination für Filme, die ich als Kind hatte, habe ich heute noch genauso – sie tragen mich durch Projekte und motivieren mich immer wieder aufs Neue.

BLONDE: Wenn du eine Rolle annimmst – ist es eher ein Bauchgefühl oder eine bewusste Entscheidung?

Lisa: Eine Mischung aus beidem. Ich lese das Drehbuch und befasse mich mit den FilmemacherInnen, die das Projekt umsetzen wollen. Die Kombination daraus gibt mir ein erstes Gefühl, in welche Richtung es gehen könnte. Dann suche ich auch immer nach einer Herausforderung, etwas, das ich vielleicht noch nie gemacht habe oder mir im ersten Moment ein wenig Angst macht. Am Ende entscheidet dann aber doch auch immer das Bauchgefühl!

BLONDE: Hast du Rituale, um nach einem Drehtag wieder „bei dir selbst“ anzukommen?

Lisa: Schlafen! Meistens ist nicht viel Zeit zwischen Drehende und Arbeitsbeginn am nächsten Tag. Ich versuche immer, so viel Schlaf wie möglich zu bekommen, um die Erlebnisse und den Tag zu verarbeiten und mit neuer Energie in den nächsten Drehtag zu starten.

Hijack: Extreme stakes, new challenges

BLONDE: Was war für dich die größte Herausforderung an der Rolle in Hijack?

Lisa: Besonders an den Dreharbeiten zu Hijack war, dass die Serie erstens in Echtzeit spielt und wir somit die großen Emotionen einer Extremsituation, wie der Entführung, über Monate hinweg halten mussten. Dazu kommt, dass meine Figur die Schnittstelle zwischen dem Entführer und der Polizei ist – sie muss vermitteln und wichtige Informationen weitergeben. Viele Szenen waren Dialoge, die nur über Funk stattfanden – es war neu für mich, ohne einen Spielpartner im Raum zu spielen.

BLONDE: Wie verändert sich dein eigener Puls, wenn du über Stunden hinweg solche Spannungsszenen drehst?

Lisa: Es kann tatsächlich körperlich sehr anstrengend sein, den eigenen Körper immer wieder aufs Neue in diese Anspannung und Alarmsituation zu bringen! Der Körper kann meistens gar nicht genau unterscheiden, ob die schnelle Atmung und Anspannung gespielt oder echt ist. Am Ende eines Drehtages habe ich die Anspannung auf jeden Fall gespürt.

Staying curious…

BLONDE: Gibt es eine Figur, die du unbedingt einmal spielen willst – vielleicht auch eine, die komplett gegen dein bisheriges Image geht?

Lisa: Ich bin sehr dankbar für die Rollen, die ich bisher spielen durfte, weil ich nicht das Gefühl habe, dass ich in einem Rollenbild feststecke. Jede Figur bringt neue Herausforderungen mit sich, und ich liebe es, nicht zu wissen, was als nächstes auf mich wartet.

BLONDE: Was reizt dich mehr: eine Figur, die dir ähnelt – oder eine, die dir völlig fremd ist?

Lisa: Natürlich ist es spannender, Figuren zu spielen, die anders sind als ich. Es ist spannender, Figuren zu spielen, die anders sind als ich. Das ist ja gerade der Spaß an dem Beruf! Es erlaubt mir, in unterschiedlichste Welten einzutauchen, neue Seiten an mir zu entdecken und die Psyche von anderen Personen zu erforschen.

BLONDE: Wie stellst du dir dein Leben in zehn Jahren vor – eher auf der Bühne, vor der Kamera oder ganz woanders?

Lisa: Ich möchte weiterhin mit inspirierenden FilmemacherInnen und KollegInnen Geschichten erzählen – sowohl vor als auch hinter der Kamera.

BLONDE: Was würdest du deinem jüngeren Ich am Anfang deiner Karriere sagen?

Lisa: Du bist genau auf dem richtigen Weg.

Credits

Photography: Tim Löbbert timloebbert
Hair & Make-up: Philipp Vergehen: philippverheyen
Set Design: Lea Selke
CD/Styling: Luisa Probst  luisaprobst_

Mehr BLONDE Interviews?

https://blonde.de/archiv/lifestyle/interview/luke-rainey-die-vision-hinter-dagger
https://blonde.de/style/fashion/bad-portier-mode-zwischen-anatomie-und-identitaet
https://blonde.de/storys/anna-gasser-mehr-als-gold

Tags from the story
, , ,
More from Vivien Gundlach
0 replies on “Lisa Vicari — Between control and chaos”