Phoenix to Phenix: Mavi Phoenix und Phenix im Gespräch über Trash-TV und neue Nähe

Foto: Meklit Fekadu Tsige
Zwei Artists, ein Name, das erste Treffen. Für unsere Printausgabe haben sich Mavi Phoenix und Phenix in Berlin getroffen. Wir haben das Gespräch der beiden für euch protokolliert – einen Auszug daraus lest ihr hier.

Der Musiker Mavi Phoenix und die Aktivistin und Autorin Phenix teilen einen Namen, der für Neuanfänge und Auferstehung steht. Diese Gemeinsamkeit bleibt auch Phenix im Kopf, als sie das erste Mal auf eines von Mavis Musikvideos stößt. Viel mehr wissen die beiden Künstler*innen aber nicht übereinander, während sie an einem Frühjahrstag in Berlin zum Gespräch Platz nehmen. Mavi und Phenix kennen sich nicht, treffen sich aber heute hier, um unter anderem über Nähe, kitschige Rom Coms und musikalische Guilty Pleasures zu sprechen. Und über ihre neuen Projekte, in denen sie jeweils ein neues Level an Nähe zeigen: Für Mavi Phoenix ist sein im Februar erschienenes Album, das im Titel seinen bürgerlichen Namen „Marlon“ trägt, sein bisher intimstes und persönlichstes Werk und markiert einen privaten wie musikalischen Neuanfang nach seiner Transition. Phenix wiederum veröffentlichte im Frühjahr ihr Buch „Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau”, in dem sie nicht nur ihre Lebensgeschichte schildert, sondern auch über trans* Sein schreibt. So unterschiedlich ihre Projekte auch sind, teilen beide am Ende dennoch ein Gefühl von Verbundenheit. Warum, beschreiben ihre folgenden Worte.

„Ich habe mich immer wieder gefragt: Ist das richtig? Ist das falsch? Fühle ich mich richtig, fühle ich mich falsch”  – Phenix

Mavi, Phenix, in dieser Ausgabe geht es um das Zusammenspiel von Enge und Nähe und um das Fest­ halten. In euren aktuellen Projekten lasst ihr eure Follo­wer*innen sehr nah an euch ran. Fühlt ihr euch auch ge­rade so nah bei euch selbst wie noch nie?
Mavi
: Ja, auf jeden Fall, mein Album ist schon tagebuchmäßig. Aber natürlich lügt man auch mal oder überspitzt Sachen in Songs, in Büchern genauso. Das Album hat mir geholfen, auch während meiner Transition. Während ich angefangen habe, Hormone zu nehmen, habe ich geschrieben und aufgenommen. Und währenddessen gab’s die verschiedensten Stimmungen.

Phenix: Bei mir ist es so, dass ich jetzt, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, immer mehr bei einer Stärke in mir ankomme und mir das Buchprojekt fast wieder unpersönlicher erscheint. Es wird Leute geben, die darüber sprechen, die darüber positiv wie negativ berichten, das ist alles okay. Ich habe das Gefühl, ich muss mir selbst so extrem sicher sein in diesem Schritt, den ich jetzt gehe. Während meiner Transition ging das Ganze auch oftmals mit Zweifeln einher. Ich habe mich immer wieder gefragt: Ist das richtig? Ist das falsch? Fühle ich mich richtig, fühle ich mich falsch? Müsste ich mich nicht eigentlich gerade anders fühlen? Und genau das habe ich alles aufgeschrieben. Auch habe ich in meiner Arbeit immer wieder gemerkt, dass trans* Menschen schnell invalidiert werden, dass andere Menschen falsche Pronomen verwenden und so weiter.

Mavi Phoenix und Phenix verbindet mehr als nur der Name

Mavi: Das passiert bei mir gerade in jedem Interview.

Phenix: Das heißt, dein Deadname wird verwendet und du wirst mit falschen Pronomen angesprochen?

Mavi:  Na ja, erst heute habe ich wieder so einen Bericht in einer österreichischen Zeitung über mich gelesen, in dem sie über das Jahr 2019 schreiben und mich als „sie“ bezeichnen, „geboren als…“ und dann eben der Name. Irgendwie verstehe ich, dass sie denken, das sei halt nur eine Info, aber es ist auch Scheiße für mich zu lesen.

Phenix: Ich glaube, viele Menschen sind sich nicht bewusst, welche Traumatisierung solche Kleinigkeiten auslösen. Das ist etwas, was wir beide so gut verstehen können. Dadurch finde ich es total angenehm, mich mit trans* Menschen auszutauschen, weil es so entspannt ist. Man fühlt sich eben nicht so allein. Ich habe mir lange Gedanken darüber gemacht: Wie gehe ich, wie rede ich, wie sitze ich, wie bin ich? Und ist das jetzt weiblich oder männlich, feminin, maskulin, wie auch immer? Ich habe mich mit einer anderen Person ausgetauscht, die nimmt seit zehn Jahren ihre Hormone und meinte: „Ja, kenne ich.“ Bei dieser Person haben diese Gedanken aber nachgelassen. Das ist für mich total schön zu wissen: Haben andere auch und geht vorbei.

Mavi:  Ja, das stimmt.

Das gesamte Gespräch zwischen Mavi und Phenix könnt ihr in der aktuellen Ausgabe der BLONDE nachlesen!
Hier könnt ihr die Ausgabe online bestellen oder als E-Paper runterladen.

Fotos: Meklit Fekadu Tsige

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