Bye Body-Shaming, Sexualisierung und Schönheitsideale: Die neue Körpersprache

Körpersprache
Die neue Körpersprache. Credit: Elizabeth De La Piedra
Bye, Body-Shaming, Sexualisierung und Schönheitsideale: Wie Elizabeth De La Piedra und Lydia Neubauer mit ihrer Fotoserie „Alphabodies“ unser Körperbild neu buchstabieren.

Aus eurem Körper-ACE habt ihr hier den Schriftzug „Body“ geformt. Passend, denn mit der Serie kämpft ihr gegen die Zensur des weiblichen Körpers. Wie erfahrt ihr die im Alltag?
LYDIA NEUBAUER: Da ich in New York City wohne, passiert mir das zum Glück fast gar nicht. Zensur-Guidelines rund um Social Media sind allerdings absurd.
ELIZABETH DE LA PIEDRA: Da Social Media eine immer größere Rolle in der Gesellschaft spielt, werden die dort herrschenden Standards ja global adaptiert und sollten deshalb auch eine unparteiischen, vorurteilslose Haltung haben.

Gerade auf Instagram ist die Nippel-Zensur ja noch ein großes Thema.
LN: Ich finde das echt traurig. Vor allem, weil es keine Zensur gegen Gewalt oder Kriminalität gibt, aber eine Körpereigenschaft ist unangebracht? Sehr verwirrend. Außerdem haben Männer ja auch Nippel
ELDP: Ganz genau. Allein weil es diese Zensur noch gibt, müssen wir die Diskussion weiterhin führen.

Thema Social Media: Für wie groß haltet ihr den Einfluss des „männlichen“, patriarchischen Blicks auf den menschlichen Körper?
ELDP: Ich glaube, dass dieser nun täglich herausgefordert wird. Die ,weibliche‘ Sicht nutzt ja die gleiche Plattform und Frauen verlassen sich hardcore auf den Blick anderer Frauen, weil wir uns auf unsere Empathie und unser Facettenreichtum einlassen. LN: Auch wenn Feminismus stärker als je zuvor ist, portraitiert Social Media die weibliche Form auf eine absolut sexualisierte Art und Weise. Sexualität ist zwar nie etwas Schlechtes, aber der nackte Körper wird eben am meisten mit Sex assoziiert. Das kommt daher, dass wir seit Jahrhunderten diese patriarchalische Gesellschaft, in der wir uns befinden, immer noch weiter konditionieren.

Wie wolltet ihr mit „Alphabodies“ Tabus aufbrechen und auf welche Reaktionen habt ihr gehofft?
LN: Dieses Projekt soll Spaß machen und hat etwas Spielerisches. Vor Kurzem haben wir unser passendes Buch auf einer Messe vorgestellt und viele Leute sahen zuerst einmal nur das Alphabet. Erst bei näherem hinsehen haben sie erkannt, dass es nackte Körper sind. Wir wollen beeinflussen, wie die Menschen auf weibliche Nackheit reagieren, ohne dass sie es wissen – selbst wenn das nur für eine Sekunde ist.
ELDP: Die Reaktionen von Kindern waren besonders toll. Sie blättern und singen dabei das Alphabet, wie bei jedem anderen ABC-Buch auch. Die Auseinandersetzung mit Nacktheit an einem so ,neutralen‘ Ort findet man sehr selten und wir hoffen, mit dem Projekt einen gesunden Sinn für die Akzeptanz des Körpers zu schaffen.

Wie seht ihr die Einbindung von Body Diversity in solche Projekte?
LN: Wir wollen auf jeden Fall noch mehr davon featuren – stay tuned!
ELDP: Für dieses Projekt hatten wir das Glück, mit den Tänzerinnen Jasmine Mendoza und Kameron Nicole zusammenzuarbeiten und durch ihren Einfluss ist das Konzept von erst so richtig entstanden.

Elizabeth, wie würdest du deinen Style als Fotografin beschreiben? „Alphabodies“ hat ja einen Look, der sich von deinen anderen Arbeiten unterscheidet.
ELDP: Meine Ästhetik verbindet reale Dinge und Perfektion. Realität ist mein größter Einfluss, wird aber kontrolliert von einer Art visueller ,Zwangsneurose‘. Ich shoote trotzdem in unterschiedlichen Styles, um verschiedene Sichtweisen zu zeigen. Ich habe echt Glück, dass ich oft mit Leuten zusammen arbeiten kann, die ich liebe und supporte. Sobald ich dass dann fertig habe, folgen auch wieder mehr private Projekte.

Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, wie das Projekt ausgesehen hätte, wenn ihr es mit jemand anderem auf die Beine gestellt hättet?
LN: No way. Niemand anderes hätte so schöne, nachdenklich stimmende Bilder produzieren können.
ELDP: Crying! Es war einfach nur super, mit meinem Homie zu arbeiten, weil es sich nie nach Arbeit angefühlt hat. Ich hab keinen Plan von Yoga und ohne beide Disziplinen wäre das Projekt unmöglich gewesen. Lydia inspiriert mich außerdem durch ihre Offenheit, alles auszuprobieren.

Fotos: Elizabeth De La Piedra

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