Backstage Beauty bei Kilian Kerner: Im Gespräch mit Beauty-Experte Philipp Verheyen

Backstage Beauty: Philipp Verheyen über Runway-Looks, echte Schönheit und die Magie hinter den Kulissen

Die Luft hinter den Kulissen ist elektrisiert: Models laufen ein und aus, Stylisten geben letzte Anweisungen, irgendwo surrt ein Föhn. Während auf dem Runway gleich die neue Kollektion von Kilian Kerner präsentiert wird, herrscht backstage konzentrierte Kreativität.

Mitten im Geschehen: Beauty-Experte Philipp Verheyen, der gemeinsam mit seinem Team die Looks für die Show vorbereitet. Unterstützt wird die Arbeit hinter den Kulissen von TWEEZERMAN, der Marke für professionelle Beauty-Tools, die seit über 45 Jahren für Präzision, Qualität und Expertise steht. Als offizieller Backstage-Partner der Show kommen die Tools direkt bei den Vorbereitungen der Models zum Einsatz – genau dort, wo unter Zeitdruck perfekte Ergebnisse gefragt sind.

Foto: TWEEZERMAN

Zwischen Spiegeln, Pinseln und Haarsprays sprechen wir mit Philipp Verheyen über seine Anfänge, den Druck der Fashion Week und darüber, warum Schönheit für ihn vor allem eines bedeutet: Authentizität.

BLONDE: Berlin Fashion Week – was bedeutet dieses Setting heute noch für dich, nach all den internationalen Shows und Projekten?

PHILIPP: Die Berlin Fashion Week hat für mich immer noch eine besondere Energie. Sie ist persönlicher, direkter und näher. Gerade nach vielen internationalen Shows ist es schön, hier wieder Verwurzelung zu spüren – ein Ort, an dem Austausch, Kreativität und Haltung im Vordergrund stehen. Berlin erinnert mich daran, warum ich diesen Beruf liebe.

BLONDE: Wenn du an deine Anfänge zurückdenkst: Wie hat alles angefangen – und war dir damals schon klar, wohin es gehen könnte?

PHILIPP: Schon als siebenjähriges Kind wusste ich, dass ich diesen Beruf eines Tages ausüben würde. Damals schnitt ich unserer fünfjährigen Nachbarstochter die Haare oder stylte mit elf Jahren meine 16-jährigen Schwestern und deren Freundinnen, bevor sie abends in die Disco gingen. Im Gegenzug durfte ich bei ihnen fernsehen – ein für mich fairer Tausch.

Mein Vater stammt aus dem Theater, meine Mutter aus der Fotografie – Kreativität und Ästhetik waren also von Anfang an Teil meines Alltags. Mit 14 Jahren konfrontierte ich meine Eltern schließlich mit vollendeten Tatsachen: einem ausgearbeitete Zehnjahresplan und dem klaren Wunsch, nach der Schule eine Ausbildung zum Friseur zu beginnen.

Diese absolvierte ich zwischen Köln und London. Bereits mit 17 zog ich von zu Hause aus, und kurz darauf führte mich mein Weg nach Berlin, wo ich den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Dort begann für mich alles richtig Fahrt aufzunehmen – insbesondere mit dem Styling von Hannah Herzsprung.

Foto: TWEEZERMAN

BLONDE: Gab es einen prägenden Moment, in dem du dachtest: „I made it“?

PHILIPP: Ein ganz besonders ehrlicher Moment für mich war der Zeitpunkt, an dem ich in den Supermarkt gehen konnte und mir einfach das kaufen konnte, worauf ich Lust hatte – ohne auf die Preise schauen zu müssen. Das klingt vielleicht banal, war für mich aber ein sehr starkes Zeichen. Denn in den Jahren zuvor, während meiner Ausbildungszeitund auch in den Anfängen meiner Selbstständigkeit, war genau das nicht möglich. Diese Erfahrung stand sinnbildlich für all die Arbeit, die Unsicherheit und den langen Atem, den es gebraucht hat.

Für mich gibt es keinen einzelnen großen Moment. Viel wichtiger ist es, über viele Jahre hinweg kontinuierlich arbeiten zu dürfen – mit Artists, mit denen ich teilweise seit über einem Jahrzehnt eng zusammenarbeite. Das Gleiche gilt für meine Markenkooperationen. Die aktuelle Zusammenarbeit mit TWEEZERMAN ist für mich genau Ausdruck davon: dass mein Weg weitergeht und ich mich immer wieder kreativ neu entwickeln darf.

Genau darin liegt für mich der eigentliche Erfolg: in dem Gedanken, wie schön es ist, dass es weitergeht. Dass ich mich in diesem Beruf über so viele Jahre hinweg entwickeln darf, dass es immer neue Herausforderungen gibt, neue Ziele, die ich mir stecke – und dass ich diese für mich bislang auf eine Weise erreiche, mit der ich zufrieden und dankbar bin.

BLONDE: Du arbeitest mit so vielen unterschiedlichen Menschen: Models, Celebrities, Kreativen. Was bedeutet Schönheit für dich heute?

PHILIPP: Schönheit ist für mich Authentizität. Wenn jemand bei sich ist und sich wohlfühlt, entsteht automatisch Ausstrahlung. Schönheit hat weniger mit Perfektion zu tun als mit Haltung, Persönlichkeit und Präsenz.

 

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BLONDE: Wenn du einen Look auf der Fashion Week kreierst: Was ist dein erstes Gefühl, dem du folgst – Farbe, Struktur oder Stimmung?

PHILIPP: Ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit ist der Austausch mit Designer, Styling-Team und Casting. Erst wenn diese Bausteine zusammenkommen, entsteht ein klares Gesamtbild.

Mir ist es dabei besonders wichtig, den übergeordneten Gedanken hinter einer Kollektion wirklich zu verstehen. Wofür steht sie? Welche Haltung, welche Stimmung oder welche Geschichte soll sie transportieren? Was möchte die Kollektion nach außen ausdrücken? An diesen Fragen orientiere ich meine Arbeit. Auf dieser Grundlage entwickle ich Hair- und Make-up-Looks, die das Design unterstützen und unterstreichen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Fotos: Kilian Kerner

BLONDE: Arbeitest du anders, wenn du für Print, Runway oder Red Carpet stylst? Wenn ja, wie?

PHILIPP: Ja, absolut. Runway muss aus der Distanz funktionieren und Teil einer Gesamtvision sein. Print lebt von Details und Nuancen. Red Carpet hingegen ist sehr persönlich – es geht darum, die Person optimal zu unterstützen und ihre Persönlichkeit sichtbar zu machen. Der Kern bleibt gleich, aber die Umsetzung verändert sich stark.

BLONDE: Was ist etwas, das draußen niemand sieht, das aber Backstage entscheidend ist, damit ein Look funktioniert?

PHILIPP: Ruhe und Vertrauen. Ein gutes Team funktioniert nur, wenn jede Person weiß, welche Rolle sie hat und sich in ihrer Aufgabe sicher fühlt.
Als Key Make-up Artist sehe ich es als meine Aufgabe, die Stärken jedes einzelnen Artists zu erkennen und gezielt einzusetzen. Niemand von uns ist in allem gleichermaßen gut – wie sollte das auch möglich sein? Das gilt genauso für mich.
Bei der Zusammenstellung des Teams achte ich deshalb sehr bewusst darauf, wo die individuellen Stärken liegen: Wer ist besonders präzise im Eyeliner? Wer hat ein außergewöhnliches Gespür für perfekte Haut? Danach entscheidet sich, wer welchen Part innerhalb eines Looks übernimmt. So entsteht ein harmonisches Gesamtbild, das sich auf viele Models übertragen lässt.

BLONDE: Beauty wird oft mit Perfektion gleichgesetzt. Wie gehst du selbst mit Druck und hohen Erwartungen um, gerade in intensiven Momenten wie der Fashion Week?

PHILIPP: Ich versuche, mich auf den Prozess zu konzentrieren und bin vorab bestens vorbereitet. Druck gehört dazu, aber er darf nicht lähmen.
Und das Team kann nur so gut sein wie ich es selber bin!

Foto l.: TWEEZERMAN, Foto r.: lukasbaumgrtl

BLONDE: Gibt es ein Tool oder Produkt, was für dich ein Gamechanger ist, ohne dass du nie auf einen Fashion Week-Look gehen würdest – und warum?

PHILIPP: Ich kann und möchte nicht auf den Wimpernkamm Folding iLashcomb verzichten. Dieser begleitet mich seit über zehn Jahren und wurde mir einst von Palina Rojinski empfohlen. Aber auch ohne die Wimpernzange von TWEEZERMAN wäre für mich kein Look möglich.

BLONDE: Gab es einen Look oder ein Projekt in deiner Karriere, das sich für dich besonders persönlich oder emotional angefühlt hat?

PHILIPP: Eines meiner liebsten Projekte – wenn man es überhaupt so nennen möchte, da es vor allem auf einer zwischenmenschlichen Ebene stattfindet – ist die Zusammenarbeit mit Lena Meyer-Landrut. Wir kennen uns seit Anfang 2015 und arbeiten nun seit über elf Jahren zusammen. Diese Zusammenarbeit hat mir einen ganz neuen Weg in meiner Karriere geebnet.
Es ist eine so langjährige und enge Verbindung, sowohl beruflich als auch privat, und ich bin mit ihr – und vor allem auch durch sie – sehr gewachsen. Die Möglichkeiten, die sich mir durch sie eröffnet haben, haben mich in eine ganz neue Position gebracht. Dafür bin ich ihr unglaublich dankbar: für ihr Vertrauen über all die Jahre und dafür, dass ich an ihrer Seite sein darf.
Ich liebe Lena und bin wahnsinnig glücklich, gemeinsam mit ihr kreativ arbeiten zu dürfen.

 

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BLONDE: Mit welchem Celebrity zu arbeiten hat dich menschlich am meisten beeindruckt und warum? Ist es anders gelaufen, als du es dir vorher vorgestellt hast?

PHILIPP: LENA und es war noch viel schöner als ich es mir hätte vorstellen können.

BLONDE: Abschlussfrage: Was hoffst du, dass Menschen fühlen, wenn sie deine Arbeit sehen, ob auf dem Runway oder im echten Leben?

PHILIPP: Ich hoffe, dass die Zuschauer*innen den Menschen wiedererkennen – ihn nicht als verändert wahrnehmen, sondern lediglich erkennen, dass ich die vorhandene Schönheit unterstrichen habe. Mir ist es besonders wichtig, dass meine Arbeit zeitlos ist, mühelos wirkt und eine gewisse Nahbarkeit bewahrt, selbst wenn ich mit Menschen arbeite, die für viele zum Teil unerreichbar erscheinen.

Quickfire Questions:

Gloss oder Matte?
Gloss

Ein Beauty-No-Go, das du nie machen würdest?
Menschen optisch zu verändern

Sleek oder messy hair?
Sleek

Das schönste Kompliment, das du je für einen Look bekommen hast?
Ich habe zuletzt an zwei Tagen erstmals mit einem Schauspieler zusammengearbeitet. Nach unserem ersten Tag erzählte er seiner Frau, dass ich an diesem Tag sein Make-up gemacht hatte. Daraufhin hielt sie ihm fünf Minuten lang einen regelrechten Monolog darüber, wie sehr sie meine Arbeit mag. Sie sagte, dass die Frauen, mit denen ich arbeite, jedes Mal zu 100 Prozent noch schöner wirken und dass ich es schaffe, das Beste aus ihnen herauszuholen. Dieses Kompliment fand ich sehr bezaubernd.

Ein Beauty-Hack, den wirklich jeder kennen sollte
Eine Wimpernzange von TWEEZERMAN verwenden und alle Bewegungen beim Auftragen von cremigen und pudrigen Produkten nach oben hin verblenden und ausarbeiten, damit ein weiches Gesamtbild entsteht.

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