Eunique Kobra: Eine Rapperin, die sich traut

Im Oktober 2015 hat die 22-jährige HipHop-Künstlerin aus Hamburg ihren ersten Freestyle-Rap hochgeladen. Nur fünf Monate später hat sie ihren eigenen Fanclub namens Kobra Militär und über 20.000 Follower auf Facebook. 2017 folgten dann ein Feature auf Joy Denalanes Album “Gleisdreieck” und eine Kolab mit Mert und der Track “Jubel”. Wir haben die Durchstarterin zum Interview getroffen – und die wichtigsten Fakten über sie zusammengefasst.

FOTOS: JCS

Man wagt nicht nur, weil alle an einen glauben, sondern manchmal auch weil einer nicht an einen glaubt. Zumindest hat Eunique Kobra aus letzterem Grund ihre Freestyle-Rap-Skills der Öffentlichkeit präsentiert. „Kol­legen von meinem Exfreund haben immer Cyphers veranstaltet. Irgendwann dachte ich, das kann ich auch, und habe mitgemacht. Aber er hat nie daran geglaubt, dass ich richtig Musik mache. Ab einem gewissen Punkt hat mich das übertrieben sauer gemacht. Und ich dachte: ,Fuck it! Ich zeig’s ihm und stelle jetzt einfach was hoch!‘“, erzählt Eunique Kobra. Und sie lag richtig mit ihrer Vermutung, dass sie den Flow hat. Der HipHop-Pro Fler hat ihr erstes Video direkt auf seiner Seite geteilt. Das Thema des Raps? Hänger-Jungs nerven und Frauen ver­dienen mehr Respekt. Die kleine Sängerin mit der Riesen-Attitude hat genug davon, dass Frauen, ob es im Rap-Business oder sonst wo ist, immer die zweite Geige spielen. Sie träumt von einer Armee von Frauen, die sich gegenseitig unterstützen, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Und diese Vi­sion spiegelt sich auch in ihren Texten wider. Sie rappt auf Afro-, Grime-, Trap- und HipHop-Beats. Sie kann aber auch softe Töne anschlagen. Dann singt sie und spielt dazu Klavier à la Alicia Keys – in ihrer Wohnung in Hamburg-Ohlsdorf, wo all ihre Gedanken und musikalischen Ergüsse mit einem Handy aufgenommen und für die Welt auf Facebook bereitgestellt werden. Allerdings tauscht Eunique Kobra derzeit ihre Wohnung ab und zu gegen ein Studio. Nicht für die Videos, aber für ihr Album, das von Kobi Rock produziert wurde. Außerdem soll sie angeblich in der zweiten Staffel der TNT-Serie “4 Blocks” eine Rolle übernehmen. Ob das wirklich stimmt, werden wir demnächst vielleicht von ihr selbst erfahren: Seit 14. Januar 2018 lässt sie uns in ihrer Reality-Doku “Becoming Eunique” nämlich an ihrem Leben als Rapperin teilhaben.Wie gesagt: Läuft bei ihr!

Eunique Kobra

Name

„Ich heiße wirklich Eunique. Und Kobra ist aus einem Freestyle heraus entstanden. Und danach war klar: Der Name rockt, der ist es. Ich habe mich früher mal mit Göttinnen, ver­schiedenen Religionen und Spiritualität auseinandergesetzt. Und ich fand interessant, dass auf vielen Bildern eine Schlange zu sehen war. Auf diesem Apothekenzeichen sind auch Schlangen zu sehen. Ich habe mich damit dann näher be­schäftigt und dachte: Hey, eigentlich sind Schlangen der­be heftig. Sie haben Heilkräfte und sie bewegen sich mit Wellenbewegungen und orten ihre Beute über Schwin­gun­gen. Die Musik besteht auch aus Schwingungen. Deshalb haben Schlangen für mich übertrieben was mit Musik zu tun. Das fand ich gut und deshalb dachte ich: Warum sollte ich mich nicht Kobra nennen?“

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Girl Power

„Ich habe richtig Bock auf eine Armee. Ich habe einen Fanclub, ,Kobra Militär‘, und die pushen mich übertrieben. Ich will, dass irgendwann jede Dritte bei ,Kobra Militär‘ ist. Und dass ich meine Vorstellungen mit den Frauen teilen kann, die der gleichen Meinung sind, und dass daraus eine Com­mu­nity entsteht, die sich gegenseitig pusht. Sie soll für Unabhängigkeit stehen und es ist egal, ob du singst, Kunst machst, ob du sozial tätig bist oder ob du in die Po­li­tik gehen willst. Alle sollen sich gegenseitig pushen. Denn in Deutschland fehlt mir allgemein, dass die Girls sich nicht richtig pushen. Das ist auf jeden Fall mein Ansporn, das zu ändern.“

 

Street Credibility

„Es gibt viele, die denken, es komme nicht authentisch rüber, wenn sie einen Hit machen, weil sie nicht die nötige Street Credibility haben. Ich finde, dass das nicht so ist. Ich werde auf keinen Fall Gangsta-Rap machen, weil ich nicht getickt habe. Ich hatte nicht viel mit Drogen zu tun. Und ich bin auch nicht im Rotlichtmilieu tätig gewesen. Zu diesen Themen kann ich ja nichts beitragen, außer Ein­drüc­ke von außen wiederzugeben. Ich finde, ich kann zu den Themen, die mich tatsächlich angehen, genauso gut HipHop-Songs schreiben. Das hat dann nichts mit mangelnder Authenti­zität zu tun, weil diese Themen ein Teil von mir sind. Das bin einfach ich und ich trage meine Musik so raus – mit den Mitteln, die ich habe.“028_28

Fashion

„Ich finde Style übertrieben wichtig und liebe es einfach, wenn sich pro Saison irgendwas verändert oder etwas Neues dazukommt. Ich habe mir auf jeden Fall auch schon aufgemalt, wie ich mir meine Bühnen-­Out­fits vorstelle. Ich liebe enge Sachen, aber auch nicht zu eng. Also wenn man das mit etwas Lockerem kombiniert. Ich fahre übertrieben auf Bodys ab. Ich weiß nicht warum, aber ich finde sie so fresh. Und in die Rich­tung wird, glaub ich, auch mein Styling für die Shows gehen.“

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Sechs weitere Statements zu, „Flow“, „Formation (Beyonce)“, „Kanye vs. Drake“, „Social Media“, „Jungs“ und „Trolls“ findet ihr in der Blonde Print-Ausgabe 01/16.

Facebook: facebook.com/euniquekobra
Instagram: 
@eunique_kobra

 

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