#UnmutePleasure: Wie ein Sextoy-Unternehmen gegen die Zensur weiblicher Lust auf Instagram kämpft

Instagram Zensur We-vibe
Foto: Victoria Strukovskaya via Unsplash
Instagram: Teils Freund*in, teils Feind.*in Ein aktuelles Beispiel beweist einmal mehr, wie häufig die Zensur auf Instagram Frauen trifft.

Dass Instagram vor allem Inhalte löscht, die weibliche Brustwarzen zeigen, aber nicht männliche, ist nichts Neues. Aus diesem Misstand entstand die #FreeTheNipple-Bewegung. Auch unser BLONDE-Account wurde bereits Opfer der oft willkürlichen, systematisch gender-befangenen Zensur der App: Ein Motiv der Fotografin Arlene Gottfried – oder vielmehr die von uns mit weißem Stift widerwillig unkenntlich gemachte Brustwarze des Models – war es, die den Guidelines wohl widersprochen hatte. Ein klares Aufreger-Thema bei uns in der Redaktion! Doch das, was dem Sextoy-Hersteller We-Vibe passierte, treibt die Ungerechtigkeit auf sie Spitze und beweist einmal mehr, wie viel Instagram in Sachen Feminismus, Körperaktivismus und Sex-Positivität zu verbessern hat.

#FreeTheNipple: Wann lässt Instagram die weibliche Brustwarze endlich frei?

Plötzlich war der We-Vibe Account weg. Einfach gelöscht. Informiert wurde das Unternehmen lediglich über ein Pop-up Fenster – ohne weitere Erklärung. Das passierte in den vergangenen Wochen im Übrigen auch den Profilen von Dame Products und Wild Flower Sex. Mittlerweile sind alle Accounts wieder aktiviert. Was jedoch bleibt, ist eine aus dem offenen Brief We-Vibes an Instagram deutlich herauslesbare (und verständliche) Frustration über die anhaltende Doppelmoral im Digitalen Marketing:

„Als Unternehmen, das hochwertige Sextoys produziert, haben wir uns daran gewöhnt, dass wir unsere Accounts nicht verifizieren lassen können und dass wir keine Werbeanzeigen auf Facebook und Instagram schalten dürfen. (…) Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir ganz viel Zeit, Liebe und Aufwand investieren müssen, um eine Community aufzubauen. (…) Und was wäre wohl das Schlimmste, was einem dann passieren könnte? Richtig, die Deaktivierung oder Löschung des eigenen Accounts.“

Außerdem bleiben viele offene Fragen: Sind wir vielleicht doch nicht so offen und aufgeklärt, wie wir oft glauben möchten? Warum werden eher Inhalte gelöscht, die das weibliche Geschlecht empowern, sich von klassischen und veralteten Beauty-Standards lösen, als solche, die Frauen als Sexobjekte darstellen? Und warum ist ein männlicher Nippel für Instagram (und in der realen Welt) völlig unproblematisch, während ein weiblicher Nippel strikt verboten und zu sexuell ist?

#UnmutePleasure & eine App, die im Jahr 2019 angekommen ist

 

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We’re back! But the #UnmutePleasure fight is far from over. To our friends and fans, thank you for your support and for sharing your experiences related to the censorship of sex- and pleasure-positive content on social media. We believe that these platforms are essential for our communities, and we want to continue to work together, for and with people who are getting suspended without even breaking the rules. Educators, activists, sex workers and folks with a passion for pleasure deserve better than the arbitrary enforcement of terms and guidelines. Please continue to share your experiences using #UnmutePleasure, and follow @UnmutePleasure to stay up-to-date with our work #WeVibe

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We-Vibe hat sich nun einen Partner ins digitale Boot geholt, der die Mission der Marke unterstützt. Die Social Media App Jodel ist vor allem bei Studierenden beliebt, hält nichts von der Zensur weiblicher Lust und lässt Werbung für Sextoys gern zu. Der neu ins Leben gerufene Hashtag #UnmutePleasure fasst alle Beiträge zusammen und transportiert eine klare Message: Sexuelles Empowerment in den Sozialen Medien. Vielleicht wäre nach dieser Geschichte #MuteInstagram mal angebracht?

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