DateUpDate: Was die Dating-Welt gerade bewegt, von Corona-Maßnahmen bis Klimawandel

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Bekomme ich mehr Matches, wenn ich mich für’s Klima engagiere? Welche Rolle spielt Rassismus in meiner Beziehung? Und was denkt mein Date eigentlich über die Corona-Maßnahmen? Neue Projekte und Studien von Dating-Apps zeigen, was Deutschlands Singles und Paare gerade bewegt. Eine Übersicht.

Wie politisch ist meine Liebe? Wer sich traut, diese Frage zu stellen, kann sie auf verschiedenen Ebenen interpretieren. Da wäre zunächst die wortwörtliche parteipolitische Gesinnung des Gegenübers. Dass die besonders jungen Dating-Generationen am Herzen liegt, haben im letzten Jahr zum Beispiel die Jahresberichte von Dating Apps wie „Bumble” gezeigt. Wer grundverschiedene Ansichten hat, kann da schon mal rausfliegen – verständlich. Bis es zur aktiven Diskussion politischer Ideologien kommt, können aber auch mal ein paar Dates vergehen. Viel früher geht es stattdessen um Themen, die mehr mit Weltanschauungen und Verständnis von Grundwerten und -rechten zu tun haben. Aber auch die fallen schnell unter die Interpretationen des Wortes „politisch”.

Mehr Matches dank Klimaschutz?

Dabei geht es zum Beispiel um den Klimaschutz. Wer hier starke Differenzen hat, wird nur schwerlich zusammenkommen. Das ist seit Jahren wenig überraschend, besonders mit Blick auf die Zahlen von Dating-Apps wie OkCupid. Dort geben gerade junge Nutzer*innen der Gen Z und Millennials (83 Prozent) an, dass sie die Klimakrise beunruhigt – seit 2017 sei die Erwähnung von Klimawandel und Umwelt in Profilen aber sogar um stolze 456 Prozent gestiegen. Noch konkreter wird es, wenn laut der Studie jene „besorgten” User*innen auch 37 Prozent mehr Likes und 11 Prozent mehr Matches bekommen. Diese Zahl will OkCupid offensichtlich fördern und führt im aktuell laufenden „Earth Month” einen speziellen „Badge” ein. Dieser gibt im Profil klar und deutlich im Profil an, dass man sich als „Climate Change Advocate“ versteht. Das mag ein einfacher Move sein, der nunr wenig aussagt über die tatsächlich umweltschützenden Maßnahmen, die eine Person im Alltag anwendet. Und dennoch hat ein solcher Button direkten Einfluss auf das Dating-Ergebnis: Mit der Funktion sieben User*innen schon im Vorfeld aus, ob sich das gegenüber um Klimawandel und Co schert, da sie automatisch in einen Pool mit anderen „Advocates” geworfen werden. Eine klare Diskussion über Klima-Ziele würde sich so erst im Chat oder persönlichen Kontakt anschließen.

Was die afro-deutsche (Dating-) Community bewegt

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Dass Liebe, egal in welcher Form, heute immer politisch ist, findet auch Celia Parbey, Chefredakteurin des Online-Magazins RosaMag von und für Schwarze Frauen und Personen. Zusammen mit Tinder launcht dessen Team den Podcast „In jeder Beziehung”, in dem es um Themen gehen soll, die die afro-deutsche Community bewegen. Zu diesen Themen gehören laut App und Magazin zum Beispiel Colorism, Rassismus in Beziehungen, Queeres Dating und Interracial Dating: Welche Herausforderungen gibt es, wenn Schwarze Menschen weiße Daten und umgekehrt? In einem Special aus vier ersten Folgen will das Moderatorinnenteam aus Parbey, Sozialwissenschaftlerin Jena Samura und Winnie Akieri, Vorstandsmitglied der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland, Fragen wie diese klären. Für eine intersektionale Perspektive laden sie sich dafür Gäst*innen wie die Sozialpädagogin Emiline Wopana Mudimu ein. Die Kooperation mit Rosa sei ein perfektes Match, so Tinder in einer Pressemitteilung: Laut einer eigenen Studie sei die App die von Nutzer*innen favorisierte, wenn es um eine Vielfältigkeit der potentiellen Partner*innen gehe.

Infektionsschutz: Die Ansichten zu Corona-Maßnahmen müssen passen

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Viele Diskurse des Datig-Politikums treffe natürlich nur dann zu, wenn Mensch sich überhaupt dazu entschlossen hat, während einer Pandemie neue Menschen kennenzulernen. Dafür müssen die Ansichten besonders im Bezug auf aktuelle Schutzmaßnahmen übereinstimmen – und wie ernst sie jede*r Einzelne nimmt. Eine eher traditionelle Partnervermittlung namens LemonSwan hat dafür eigene Umfragen aus dem letzten und aktuellen Jahr verglichen. Das Ergebnis: Während Singles nach längerem Online-Kennelernen insgesamt weniger vorsichtig bei ersten Treffen seien, bleibe die gemeinsame Wellenlänge in Sachen Infektionsschutz essentiell. Innerhalb eines binären Gender-Systems sei es für 74% der Frauen und 53% der Männer nach wie vor wichtig, dass das Gegenüber die gleiche Einstellung zu Corona-Schutzmaßnahmen habe. Und auch wenn keine*r mehr so richtig über das C-Wort reden will, liegt es damit an den ersten Chats und Gesprächen, die jeweiligen Einstellungen herauszufinden.

Daten & mitdenken

Dass Dating (gesellschafts-) politisch ist? Klar. Es ist egal, wie groß oder klein das Thema. Und dennoch sind interne Studien von Dating-Apps in dieser Hinsicht nur bedingt repräsentativ – schließlich spiegeln sie immer nur die Meinung einer bestimmten User*innen-Bubble und beziehen nicht die Meinungen derer ein, die je andere Apps verwenden oder selbst während der Pandemie offline Menschen kennenlernen. Gleiches gilt für jene, die zu alten Bekannt- und Partnerschaften zurückgekehrt sind. Trotzdem bleiben die Zahlen spannend für ein nächstes DateUpDate – denn wenn sie eines zeigen, dann dass das Dating-Life nicht so stillsteht, wie wir vielleicht denken. Auch ohne physischen Kontakt.

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