DateUpDate: Was „Cringe Couples“ und Tabubrüche mit den Dating-Trends 2022 zu tun haben

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Zwischen PCR-Chaos und emotionaler Kapitulation scheint ein simples Date gerade immer absurder. Kein Wunder, dass wir diesmal bei Gedanken über Sex und Liebe auch auf Prominente ausweichen müssen. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Wenn’s nach den Daten der großen Dating-Apps geht, öffnen wir unsere Gedanken und lassen Tabus verschwinden.

OkCupid: Dating-Trends 2022 – Sexualität, Sex-Tabus öffnen sich

Es ist ein wenig wie das „Spotify Wrapped” der Swipe-Kultur. Schon Ende letzten Jahres haben große Dating-Apps ihre Jahresrückblicke auf den Markt geworfen – mit Infos ausschließlich aus der eigenen Community, versteht sich. Darunter ist auch das Unternehmen OkCupid. Wie viele Nutzer*innen die App 2021 mit welcher Methodik ausgewertet hat, ist zwar nicht angegebe, dafür gibt der Rückblick der App aber einige Prognosen für’s Online-Dating 2022. Und wenn es nach diesen Vorhersagen geht, öffnett sich zum Beispiel die Variation an Selbstbezeichnungen, mit der User*innen ihre Sexualität benennen. Seit Ende 2020 sei die Zahl der deutschen Nutzer*innen, die sich als pansexuell bezeichnen, um ganze 98% gestiegen. Auch diejenigen, die sich als bisexuell definieren, sind im Vergleich zum Vorjahr um 136% mehr geworden. Wenn es um eigene sexuelle Identität geht, gab es ebenfalls: Veränderungen: 115% mehr User*innen gaben „nicht-binär” in der Kategorie Gender an. OkCupid schlussfolgert daraus: Je offener Datende in Sexualität und Co sind, umso mehr Matches gibt es für alle. Was diese Matches dann zusammen erleben, könnte sich auch noch ändern: Laut Angaben der App äußern sich Nutzer*innen immer offener zu sexuellen Kinks, erleben sie also nicht als Tabu. So wurden Begriffe aus dem Kontext BDSM um 108 mal häufiger erwähnt als im Vorjahr. Falls ihr dazugehört, denkt dran: Bleibt respektvoll, auch wenn euer Gegenüber offen ist – Kinks sind nicht dazu da, ausgenutzt zu werden.

 

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Tinder verspricht mehr Support beim Melden von problematischem Verhalten

Passend dazu geht’s auch beim App-Giganten Tinder gerade um Grenzen und Konsens. Werden deren Linien einmal überschritten, haben Betroffene sicher andere Dinge im Sinn, als sich mit den Funktionen der App zu befassen. Für diejenigen, die irgendwann bereit sind und gegen das Verhalten ihres Gegenübers wehren wollen, kündigte Tinder nun neue Sicherheitsschritte in der App an. Zusammen mit der US-amerikanischen NGO RAINN (Rape, Abuse & Incest National Network) haben sie ein neues Melde-System plus sensibilisierende Schulungen für Mitarbeiter*innen im Kundenservice eingeführt (sie verwalten, wenn jemand gemeldet wird). Mit dem neuen Prozess sollen Menschen auch lange, nachdem sie ein problematisches Match aufgelöst haben eine Person melden können. Auch nur einzelne Nachrichten oder Bilder können gemeldet werden, damit der Kundenservice schnell reagieren kann. Außerdem soll jede*r User*in frei entscheiden können, wie er*sie über den weiteren Verlauf der Meldung informiert wird – und ob überhaupt. Neben diesen Reformationen versprach Tinder, zusammen mit Expert*innen und weiteren Anpassungen die Sicherheit in der App noch weiter steigern zu wollen. Bisher gibt es ein allgemeines „Safety Center“ mit Tipps und Informationen.

P.S.: Auch Tinder hat im letzten Jahr das Verhalten seiner User*innen ausgewertet und einen Trendreport zum Nutzverhalten der Community veröffentlicht – diesmal mit Fokus auf die Generation Z. Und siehe da: Auf Platz 1 der Lieblingsthemen liegt Britney Spears, bzw. die Fan-Initiative #FreeBritney. Wie die Chats dazu wohl aussahen? Erste Nachricht mit einer Line aus „…Baby One More Time”? Gemeinsame Verschwörungstheorien über Jamie Lynn Spears? Alles möglich. Warum wir das hier überhaupt erwähnen? Weiterlesen…

„Cringe Couple” und das neue Zeitalter der Promi-Beziehung

Natürlich sind Prominente ein leichteres Thema für den Gesprächseinstieg als politische Ansichten oder der Klimawandel. Vorausgesetzt, Mensch ist auf dem gleichen Infostand über die Personen, um die es geht. Das wiederum dürfte bei Julia Fox und Kanye West gerade nicht besonders schwierig sein. Ob freiwillig oder unfreiwillig, kaum jemand, der sich in einer gewissen Medienblase auf Social Media befindet, kann sich den Bildern des neuen Paares entziehen. Und das kommt nicht etwa nur davon, dass Paparazzi-Kultur ein neues Hoch erreicht hätte. Die Vermarktung des Duos – die abgestimmten Outfits, Julias Make-Up-Looks, die gemeinsame Auftritte auf Mode-Events, die Inszenierung auf Social Media – sind Teil der ewig währenden Marketingstrategie aus dem Hause West. In einem umfangreichen Thinkpiece hat zum Beispiel Dazed-Autorin Vanessa Hsieh analysiert, inwiefern diese Inszenierung aber ein neuer Gipfel ist, der ein weiteres Mal zeigt: Alles ist Marketing.

 

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Dass diese Darstellung von Partnerschaft zu „alten” Zeiten zurückkehrt, bahnt sich schon länger an. Vanessa Hsieh verwendet in ihrem Beitrag auch den Internet-Begriff „Cringe Couple“ . Unter diesen fallen vor allem bekannte Paare, deren Beziehung sich die Öffentlichkeit nicht entziehen kann. Machine Gun Kelly und Megan Fox oder Khourtney Kardashian und Travis Barker haben damit sogar einen eigenen Mode-Trend reanimiert, wie ihr bei unserem Partnermagazin NYLON nachlesen könnt. Was aber hat das alles das nun alles mit Normalsterblichen zu tun? In einer Durstrecke an Gossip mache uns die vielschichtige Inszenierung von Kanye West und Julia Fox nicht zu passiven News-Konsument*innen, sondern zu aktiven Menschen, die eine Fantasievorstellung über die Grenzen von Mode- und Personenkult mitformen, schlussfolgert Vanessa Hsieh in ihrem Beitragf. Wer aber sagt, dass wir uns bei aller Nostalgie im Pop nicht auch in einer Regression In Sachen der Beziehungsbilder befinden? Sicher, viele Grenzen brechen auf. Es gäbe aber auch andere Theorien: Das Chaos rund um die Familie West bis hin zu öffentlichen Trennungen und schillernden Star-Couples wie (vielleicht) Hunter Schafer und Dominic Fike ließe vermuten, dass sich das Ideal des monogamen Power-Couples dieses Jahr sich fester etabliert denn je. Ob das in vielerlei Hinsicht ein Rück- oder Fortschritt ist, steht auf einem anderen Blatt.

„Single’s Inferno”: Kompromiss für Reality-TV-Show-Hater*innen?

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Wenn sich dieses DateUpDate schon aus dem persönlichen in den öffentlichen Raum bewegt, müssen wir auch den ganzen Weg gehen. Stichwort: Dating-Shows im Reality-TV. Liebt es oder hasst es, ganz egal, jedenfalls hat die Welt der Trash-TV-Shows angeblich einen neuen Stern unter sich. Und zumindest in Deutschland scheint der noch nicht ganz so hell zu leuchten. Die Rede ist von „Single’s Inferno” aus Südkorea, hierzulande übersetzt mit dem fragwürdigen Titel „Raus aus der Single-Hölle”. In Kommentaren auf Social Media und englischsprachigen Medien wird die Netfix-Show seit Dezember als Serie gefeiert, die auch Hater*innen von Reality-Dating-Shows wie „Love Island” und „Bachelor” überzeugt. Woran liegt das? In der Show geht es erneut um normativ schöne cis-hetero Menschen, die auf einer Insel nach Partner*innen suchen. Und dennoch finden ihre Dates unter anderen Voraussetzungen statt: So dürfen sie zu allererst ihr jeweiliges Alter und Beruf nicht verraten. Stattdessen soll die „Persönlichkeit” darüber entscheiden, mit wem es zu einem Match kommt. Außerdem legt die Serie den Fokus auf den Prozess des Kennenlernens und vermeidet gänzlich Themen wie die typischen Sexszenen unter der Nachtkamera. Anti-klassistisch ist diese Show aber nicht und genügend Klischee gibt es ebenfalls: Um ein Date wahrnehmen zu können, müssen Kandidat*innen letztendlich doch das Alter und den Beruf ihres Gegenübers erraten, um von der Caming-Insel ins Hotel „Paradise” zu übersiedeln. Nichtsdestotrotz klingt diese Serie entschleunigend für alle, die das Programm von RTL2 und Co schon durchhaben. To whoever needs it!

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