Statt Menstruationshandschuh: 6 Ideen, wie wir besser über Perioden sprechen

Bild: Vulvani
Die Idee eines Menstruationshandschuhs zur Entsorgung von Tampons erntet in dieser Woche so viel Shit wie lange kein Periodenprodukt mehr. Zu Recht. Statt die Periode weiter zu stigmatisieren, betrachten menstruierende Menschen das Thema in diesen Beiträgen so, wie es ist: Normal.

Es gibt ein Projekt, das bekommt gerade so viel Aufmerksamkeit, wie sie sich die Hersteller*innen von Mode und Müllbeuteln gleichermaßen wünschen: Lange gab es zu keinem Wegwerf-Artikel und keinem „Accessoire” mehr so ein klares Feedback wie zum „Menstruationshandschuh”. Nur, dass das wenig positiv ausfiel. Weil aber negative Presse auch Aufmerksamkeit ist, soll das konkrete Produkt an dieser Stelle mal unerwähnt bleiben (sein Name ist ohnehin recht klischeebehaftet). Nur so viel: Erfunden haben den Handschuh eben zwei Männer. Ihr „Ziel“: Die Entsorgung von Periodenartikeln „hygienischer” und „diskreter” gestalten. Übersetzt in Patriarchaten-Deutsch heißt das ungefähr so viel wie „unsichtbar machen”, denn: Die Idee war entstanden, weil sich die Herren über einen blutigen Tampon im hauseigenen WG-Mülleimer „verwundert” zeigten. Für das Produkt zur Beseitigung solcher Verwunderung sprangen schließlich in der RTL-Sendung „Die Höhle der Löwen”, wo der Handschuh die große Bühne fand, 30.000€ Kapital. Investor war, natürlich, ein weiterer cis Mann.

Weg mit dem Menstruationshandschuh, weg mit den Tabus

Dass das alles gehöriger Bullshit ist, hat das Internet schnell erkannt. Mit ihrer Wut ging die Online-Öffentlichkeit in den vergangenen Tagen besonders kreativ um: Neben ernster Kritik an der Tabuisierung von Menstruation und mangelnden Nachhaltigkeit des Handschuhs folgten alternative Produktvorschläge. Darunter wäre zum Beispiel ein Handschuh zum „Kondom abziehen” für Männer oder Tätigkeiten, für die so ein Menstruationshandschuh noch geeignet sei (Hundekot aufheben, Klo putzen, etc.). Andere Comics illustrierten die Doppelmoral von (cis) Männern, die beim Splatter-Film freudig einschalten, vom Blut im heimischen Mülleimer aber in die Flucht geschlagen werden. Letzteres muss in keinem Fall sein. Denn wenn man über die Periode spricht, dann bitte nach wie vor so, wie es Menstruierende seit Jahrzehnten fordern: Nicht pink, nicht rosig, nicht diskret, nicht dreckig, sondern normal. Wie in diesen sechs Beiträgen.

Disclaimer: In einzelnen Beiträgen wird von Menstruation im Kontext von (cis) Frauen gesprochen. Nicht alle Menschen, die menstruieren, identifizieren sich jedoch als solche.  

Von Free Bleeding und der Ode an die Periode: 6 wichtige Menstruationsthemen, über die wir sprechen sollten

„Ich nehme mir Periodenurlaub!“: Das fordert Ninia LaGrande für die Menstruation 2020

Ja, die Periode ist normal, aber dafür einen Tag Urlaub nehmen? Wunschdenken. Wäre aber ein kleiner Meilenstein, findet Autorin Ninia LaGrande. Schon 2020 schrieb sie für uns ihre Ziele in Sachen Menstruation auf – ein Handschuh war darunter nicht zu finden. Im Gegenteil: Essentielle Punkte wie nachhaltige Produktvielfalt, mehr Aufmerksamkeit für die Geschlechtsidentitäten von Menstruierenden oder Krankheitsbilder wie Endometriose bleiben auch ein Jahr später Forderungen im Perioden-Diskurs, die es zu erfüllen gilt.

Die Evolution der Fem-Care – Meine erste Periode mit Menstruations-Panty

Wenn es schon um neue Produkte geht, dann bitte solche, die den Monatszyklus wirklich angenehmer gestalten – und nicht den vermeintlichen Umgang damit. In diesem Text schildert unsere Autorin ihre erste Erfahrung mit einer Menstruationspanty und erklärt, warum die ihre (Bewegungs-) Freiheit nicht einschränkt.

„Ich war eine Perioden-Rebellin”: Influencerin Canel über Menstruation, Monatshygiene – und Kulturen

Warum das offene Gespräch über die Monatsblutung nicht nur Normalisierung, sondern auch Wissen fördern kann, zeigt Canel Ataman in diesem Text. Sie erklärt, wie sie sich in Sachen Menstruation von traditionellen Werten ihrer Kultur befreit hat und warum das neue Wissen für sie auch Selbstbestimmung bedeutet.

Menstruationshygiene: Wie funktioniert Free Bleeding?

„Es geht aber auch anders” – so könnte die Unterzeile dieser Erfahrungsberichte lauten. „Anders“ bedeutet in diesem Fall „ohne Produkte”. Gemeint ist der Prozess des Free Bleeding. Hierbei entscheiden sich Menstruierende dafür, weder Einlage, noch Tasse oder Tampon zu verwenden. Zwei Teilnehmende beschreiben hier, wie sich das freie Bluten für sie angefühlt hat.

28 Days Later: Leben mit einem Zyklus-Coach

Sich mit dem eigenen Zyklus auseinanderzusetzen, bedeutet nicht nur, darüber zu reden. Eine solche Erfahrung machte die Autorin dieses Textes, als sie für 28 Tage einen Zyklus-Coach besuchte. Was folgte, war die wortwörtlich detaillierte Untersuchung der eigenen Blutung. Wie sie die vier Phasen der Analyse erlebt hat, lest ihr hier.

Eine Ode an die Periode: Let‘s Talk About Blood, Baby

Als Marie ihren Tampon entsorgen will, streckt ihr Freund die Hand aus und will ihn in den Müll werfen. Marie ist perplex.  Warum ihre keine überraschende Reaktion ist, beweisen die Erfinder des Menstruationshandschuh leider auch noch drei Jahre, nachdem Marie uns von ihrem Umgang mit der Periode erzählt hat. Wir empfehlen die Lektüre ihrer Erfahrung und der von vier anderen Menstruierenden also nicht nur euch, sondern auch all denen, die immer noch meinen, Grundrechte seien dazu da, um mit unnötigen Handschuhen angefasst zu werden. Over and out.

An diesem Artikel wurden nach seiner Veröffentlichung Aktualisierungen vorgenommen.

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