Genderless Beauty: So riecht ihr unisex

Genderless Düfte Unisex
Foto: Gucci
Wie stehen Geschlecht und Duft miteinander in Verbindung? Eigentlich gar nicht. Und genau das ist der Aufhänger unseres dritten Teiles der großen Genderless Beauty Reihe, denn was für uns typisch männlich riecht und was olfaktorisch gesehen Weiblichkeit versprüht, wurde so rein von der Schönheitsindustrie kuratiert.

Keine zwei Menschen riechen gleich. Nicht einmal dann, wenn sie dasselbe Parfüm tragen. Das liegt am Eigengeruch und der Chemie des Körpers. Doch Düfte kann man nicht berechnen. Sie sind höchst emotional behaftet und unheimlich kraftvoll, denn sie besitzen die Möglichkeit, Erinnerungen zu speichern und können sogar dabei helfen (oder verhindern), dass wir uns verlieben. Wer hätte gedacht, dass der Griff zum morgendlichen Spritzer Parfüm so bedeutungsträchtig sein könnte… und höchst politisch noch dazu!

Die politische Seite unseres Konsums

2020 sind Endkonsumenten woker denn je und machen stereotype Binärparfüms weniger marktfähig. Kosmetikfirmen sehen die Vorzüge von nicht Gender-spezifischer Vermarktung – vor allem an den Zahlen. Denn wer in der Kommunikation niemanden ausschließt, spricht jede*n an. Seit 2015 steigen die Umsätze im Unisex-Sektor von Mode bis hin zum Badezimmerschrank, wie unter anderem der Hollywood Reporter berichtet. Einen Überblick über die Kosmetikbranche haben wir im ersten Teil unserer großen Genderlesss Beauty Reihe bereits gegeben. Warum es völlig okay ist, mit ein wenig Grundierung die Schatten der vergangenen Nacht (oder des ganzen Lebens) zu überdecken – und das unabhängig von Geschlecht und Orientierung, liebe Frau Schöneberger – lest ihr hier in Teil Zwei.

Heute widmen wir uns dem feinen Näschen und zeigen euch Unisex-Düfte von Unternehmen, die ihre Gender-Ideologien aufheben und Marketingstrategien entgegenwirken!

So gelingt der genderless success

Unisex

Das neueste Parfüm aus dem Traditionshaus Gucci kommt blumig her – ein Beweis dafür, dass Florales keine Genderzugehörigkeit hat. Schon gar nicht Kamille. Die wohl universellste und internationalste Blüte steht im Fokus von „Mémoire D‘ Une Odeur“ und wird von jenen, die ihren Duft verspüren dürfen, sicher nie wieder olfaktorisch unterschätzt. Eine weitere Erfolgszutat bei Gucci ist zweifellos die wunderschön inszenierte Kampagne mit niemand geringerem als Harry Styles, der in Sachen Identität sowie in Hinblick auf (künstlerische) Freiheit als Vorreiter seiner Generation gilt. Hört sich nach einer stimmigen Kombi an, oder?

Ich bin von Düften geradezu besessen: meine Erinnerungen sind vorrangig olfaktorisch, daher ist mein Geruchssinn mein Gedächtnis. Tief in unserem Inneren ist ein Duft doch das, was uns, wenn wir unsere Augen schließen, in einen konkreten Moment in Raum und Zeit zurückversetzt. – Alessandro Michele

„Mémoire D‘ Une Odeur“ von Gucci ist als EDP ab einem UVP von ca. 68 Euro erhältlich über Douglas.de

Unisex in der DNA

unisex parfum
Foto: PR

Manche Brands gehen noch einen Schritt weiter und stellen ihre Markenstrategie von vornherein ohne das Konzept von Gender auf.  Dazu gehört das Label Escentric Molecules, die für, sagen wir mal, dafür empfängliche Menschen, sehr intensiv und betörend ihre Moleküle durch die hippen Cafés Berlin Mittes verteilen. Was einem da unter der Nase umher tanzt nennt sich Ambroxan. Das sorgt für frische, mineralische Sanftheit, die seine Träger umhüllt.

Escentric Molecules in „02“, 100ml ca. 125€, erhältlich auf ausliebezumduft.de

unisex duft
Foto: PR

Und auch Brands wie Le Labo und Jo Malone haben ihre non-conforma Attitüde von Beginn an durchgezogen. Letztere Londoner Brand setzt auf Duftbeschreibungen ohne zugeordnete Genderrollen. Sprich: Wenn Earl-Grey-Nuancen auf Gurkenduft treffen, nennt man das auch so. Und davon gibt es neben klassischen EdCs auch Raumdüfte – für Haushalte jeglicher Art.

„Earl Grey & Cucumber“ von Jo Malone, 30 ml, ca. 55 €, erhältlich über douglas.de

Merke: Düfte haben kein Geschlecht!

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Foto: PR
Bei den Parfümören von Le Labo gilt ein ähnliches Konzept. Besser gesagt, eine Revolution. In seinen eigenen Worten beschreibt der Gründer und Unisex-Duft-Wunderkind Fabrice Penot seine Boutique, wie er seinen Flagship Store in West Hollywood liebevoll (und treffend nennt) als Spielplatz für die Nase. Der Look des Stores ist ähnlich minimalistisch wie der Grundgedanke. Elf akribisch ausgearbeitete Kompositionen, bei denen alles stimmt, warten darauf, entdeckt zu werden – und das von jeder Person! Der neueste Coup versprüht Nuancen von Ambrox (ah, den Inhaltsstoff-Hit kennen wir bereits!) und soll gedanklich in einen lauen Sommerregen entführen, während man selbst im Trockenen sitzt.

„Baie 19“, von Le Labo, ca. 149 € für 50 ml EdP, erhältlich über Net-A-Porter.com
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Foto: PR
„CK ALL“ von Calvin Klein weckt in vielen Millennials Erinnerungen an eine simplere Zeit ohne Verpflichtungen, sexuelle Eskapaden (obwohl, wer weiß…) und politisches Wirrwarr – ihre Jugend. Denn wer in den 90s groß wurde, ist mitunter Anführer*in der gerade stattfindenden sinnlichen und körperlichen Befreiung. Anders als bei Generation Z kennen sie den Struggle mit der Identität genauso gut wie den ökonomischen von CK. Ein Glück, dass es für beide heute besser aussieht und richtig fresh riecht!

„CK All“ von Calvin Klein, 50 ml Edt ca. 25 Euro im Sale bei Douglas

Zum Abschluss unseres wohl duftenden Exkurses noch so viel: Genau wie in Sachen dekorativer Kosmetik, in der Pflege und sonst wo gilt: Mach‘ wie du willst, benutze, was dir gefällt, mix und match & do you! Denn wir geben euch hier nur einen ersten Einblick in die vielseitige und traditionsgetriebene Parfüm-Branche und ihren derzeitigen Wandel.

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